Familienfieber:

Ein aufregendes Projekt des früheren Kasseler Filmstudenten Nico Sommer

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Ernüchterung: Maja (Kathrin Waligura) und Uwe (Peter Trabner) wissen in „Familienfieber“ nach 20 Ehejahren nicht weiter.

Kassel/Berlin. Als der 30-jährige Regisseur Nico Sommer in seiner alten Wirkungsstätte Kassel sein neuestes Filmprojekt vorstellte, musste er im Filmladen als Erstes ein Autogramm geben. Um im nächsten Moment anzukündigen, dass er schon wieder auf dem Sprung ist. 

Die Macher vom Filmfestival „Achtung Berlin“ hätten telefonisch angedeutet, dass er einen Preis bekommt. Hat er dann auch, am Mittwochabend.

Wieder mal. „Familienfieber“ heißt die neueste Regiearbeit des ehemaligen Kasseler Filmstudenten. In Berlin wurde er jetzt für die beste Regie ausgezeichnet, kurz davor, beim renommierten Max-Ophüls-Fest in Saarbrücken, gab es den Preis der Ministerpräsidentin.

Der Regisseur, der vor einiger Zeit Vater geworden ist und in seiner Geburtsstadt Berlin lebt, hat geschafft, was nicht vielen Nachwuchstalenten gelingt: Sich in einer schwierigen Branche durchzusetzen. Mehr noch: Er setzt mit innovativen Regiekonzepten künstlerisch Akzente. Denkt das Genre neu: Film 2.0.

So auch in „Familienfieber“. Ohne Filmförderung und quasi ohne Budget ist der vielschichtige 80-Minüter entstanden. Sechs Menschen, ein brandenburgisches Landgut, ein Wochenende. Verliebtheit, Ehefrust, Seitensprung, Ernüchterung und die Frage: Hält die Liebe den Alltag aus? Mit improvisierten Szenen entstand das Porträt einer Mittelschichts-Midlifecrisis in nur sieben Drehtagen. Aus den USA kommend nennt sich dieses Filmgenre „Mumblecore“. Im Winter kommt „Familienfieber“ ins Kino, einen Verleih gibt es schon, Daredo Media - „die finden solche jungen, wilden Projekte mit Berlinbezug toll“, sagt Sommer.

Regisseur Nico Sommer

Der Filmemacher erzählt, dass „Familienfieber“ eine Fingerübung sei für das nächste Projekt mit demselben Team. „Wir setzen das interaktiv fort und entwickeln für jede der sechs Figuren einen eigenen Schluss.“ Bei Kinovorführungen könne dann das Publikum zum Beispiel per Applausometer entscheiden, welcher Figur es weiter folgen will. Der Dreh ist für Herbst geplant.

Erst im vergangenen Jahr war Nico Sommer auf die Berlinale eingeladen worden, ein Ritterschlag für deutsche Filmemacher. Er hat dort „Silvi“ vorgestellt, die tragikomische Geschichte einer Frau mittleren Alters, die sich in der skurrilen Welt der Beziehungsanbahnung wiederfindet. Immer wieder wird die Handlung unterbrochen durch kurze Sequenzen, wo Silvi, wie in einer Therapiesitzung, direkt in eine Kamera spricht. Ein für Nico Sommer typisches Erzählelement, das auch in „Familienfieber“ eingesetzt wird. Charakteristisch für einige seiner Arbeiten ist der Stil der Fake-Doku, bei der ein Spielfilm so inszeniert wird, als handele es sich um eine Dokumentation. Nico Sommer studierte von 2006 bis 2011 in Kassel. Weitere Werke sind „Stiller Frühling“ „Vaterlandsliebe“, „Die Taktstürmer“, „Solokind“. Sommer drehte auch Kinospots für die HNA.

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