Die Ausstellung „Giza - Am Fuß der großen Pyramiden“ im Römer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim

Familientreff der alten Ägypter

Filigran: Eine bemalte Reliefplatte ("slab-stela") des Prinzen Iunu aus Kalkstein von dessen Grab auf dem Westfriedhof in Giza (um 2590 v.Chr.). Fotos:  Römer- und Pelizaeus-Museum

Hildesheim. Das Hildesheimer Roemer- und Pelizaeus-Museum verfügt über eine der wertvollsten ägyptischen Sammlungen der Welt - mit Wesir Hem-iunu an der Spitze, einst höchster Würdenträger nach Pharao Cheops (um 2649-2504 v. Chr.). Hauptattraktion sind Objekte aus dem Alten Reich (etwa 2650-2150 v. Chr.). Der Großteil gelangte als Geschenke von Wilhelm Pelizaeus (1851-1930) in seine Heimatstadt. Er hatte es in Kairo als Geschäftsmann zu Reichtum gebracht und finanzierte ab 1903 Ausgrabungen Georg Steindorffs auf dem Pyramidenfriedhof von Giza. Das nach ihm benannte Museum ist nun 100 Jahre alt. Das wird mit einer großen Sonderschau über die Pyramidenzeit gefeiert. Pelizaeus selbst wird mit einer Ausstellung im Stadtmuseum geehrt.

Wer im Roemer- und Pelizaeus-Museum die dem Alten Reich gewidmete Dauerausstellung betritt, steht zuerst vor der Kalksteinfigur des fülligen Hem-iunu (um 2580 v. Chr.). Bettina Schmitz, Kuratorin der Sonderschau, berichtet: „Das Bildnis des Hem-iunu steht in seiner Zeit ohne Vergleich: Es ist das einzige lebensgroße Rundbild eines Beamten der Cheops-Zeit, das erhalten blieb.“ Hem-iunu war für die Errichtung der Cheops-Pyramide auf dem Hochplateau von Giza zuständig. Derzeit blickt er auf die Sonderschau. Schließlich stammen die Funde vom westlich der Cheops-Pyramide gelegenen Beamtenfriedhof, für dessen Errichtung er ebenfalls verantwortlich war.

Zur Zeit der von Pelizaeus finanzierten Ausgrabungen war Fundteilung üblich. Das Ägyptische Museum von Kairo hatte die Erstauswahl. Der Rest wurde zwischen den anderen beteiligten Institutionen und Förderern verlost. Nachteil dieses Verfahrens war jedoch, dass bei der Einteilung der Objekte in Losgruppen nicht unbedingt auf die Zusammengehörigkeit der Ensembles geachtet wurde.

Die Sonderschau bringt am Beispiel von vier Gräbern, die Steindorff untersucht hatte, zusammen, was zusammen gehört. Flankiert werden diese Grabinventare von weiteren Objekten. Die Statuetten im linken Bereich verkörpern Grabbesitzer. Die Objekte in der rechten Abteilung stellen uns das Grab als Haus für die Ewigkeit vor. Ausgestattet war es vom Rasiermesser bis zu Vorratsgefäßen mit allem, was für das Leben nach dem Tod gebraucht wurde.

Die den Inventaren der vier „Steindorff-Gräber“ vorbehaltene Ausstellungsarchitektur ist mit ihren abgeschrägten Außenwänden den „Mastaba“ genannten Grabbauten nachempfunden. Ein außerordentlich umfangreiches Figurenensemble fand sich im Grab des Djascha (um 2400-2300 v. Chr.), der den Ehrentitel „Reinigungspriester des Königs“ trug. Das Hildesheimer Familientreffen führt Leihgaben aus Leipzig und München zusammen. Auch Figuren aus dem Ägyptischen Museum von Kairo gesellten sich hinzu.

Die Sitzfiguren des Djascha und seiner Frau schauen einem guten Dutzend von Figuren bei Arbeiten wie der Herstellung von Brot und Bier zu. Früher wurden sie für „Diener“ gehalten. Inzwischen beurteilt man sie als Familienangehörige, die mit Versorgungsleistungen für den Grabherren ihr Weiterleben in dessen Haus für die Ewigkeit absichern.

Bis 21. August, Roemer- und Pelizaeus-Museum, Am Steine 1-2, Hildesheim. Di-So 10-18 Uhr. Infos: Tel. 05121-93690, www.giza-ausstellung.de. Der Katalog aus dem Hirmer Verlag kostet im Museum 24,90 Euro, im Buchhandel 29,90 Euro.

Von Veit-Mario Thiede

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