Seit 25 Jahren ist der Kasseler Furore-Verlag die erste Adresse für Komponistinnen

Fanny Hensel ist der Star

Die Nummer eins des Furore-Verlags: Fanny Hensel, geb. Mendelssohn (1805-1847). 4 Fotos: privat/nh

Kassel. Größe sagt nicht unbedingt etwas aus über Bedeutung. Auch 25 Jahre nach seiner Gründung gehört der Kasseler Musikverlag Furore noch zu den kleinen der Branche. Doch Furore unterscheidet sich von allen anderen Verlagen weltweit: Hier werden ausschließlich Noten und Bücher von und über Komponistinnen verlegt. 12 000 Titel von 160 Komponistinnen sind es heute.

Deshalb ist Furore bei Musikern in Australien und Japan ebenso ein Begriff wie in den USA, in Frankreich und natürlich in Deutschland. Wer sich heute fragt, ob ein Verlag speziell für Musik von Frauen überhaupt nötig ist, dem kann Verlagsgründerin Renate Matthei geradezu haarsträubende Geschichten über die Gründungsphase des Verlags erzählen. „Komponistinnen - das gibt es nicht, das können Frauen nicht“, war in den 80ern eine noch weitverbreitete Meinung.

Und sie existierten ja wirklich nicht in gedruckter Form, die Werke der komponierenden Frauen - man konnte sie also gar nicht kennen. Renate Matthei, Betriebswirtin und Tochter eines Musikverlegers, wollte sich damit nicht zufriedengeben. Mit Unterstützung der Musikwissenschaftlerinnen Brunhilde Sonntag und Barbara Gabler, der späteren Furore-Lektorin, machte sich Matthei auf die Suche. Zunächst ging es ihr darum, Werke lebender Komponistinnen zu veröffentlichen. Sieben von ihnen führte 1986 der erste Katalog auf - mit Namen wie Barbara Heller und Ruth Zechlin.

Doch der Forschergeist des jungen Verlags führte auch in die Archive, und hier tat sich eine ganze Welt komponierender Frauen seit dem Barock auf. Dass Clara Schumann komponierte, wussten Musikkenner noch, aber wer kannte das Werk von Fanny Hensel, der Schwester Felix Mendelssohns? „Fanny“, wie sie verlagsintern genannt wird, wurde zur großen Entdeckung des Furore-Verlags, sie führt auch die Verkaufszahlen unangefochten an. Wichtig sind Aufführungen und CD-Aufnahmen, um eine Komponistin bekannt zu machen, hat Renate Matthei gelernt. Beides funktioniert bestens bei Fanny Hensel, deren „Oratorium nach Bildern der Bibel“ zuletzt in der New Yorker Carnegie Hall und in Hongkong aufgeführt wurde - mit Notenmaterial von Furore.

Wie geht es weiter mit dem Furore-Verlag, der bisher jedes Jahr den Umsatz steigern konnte? „In den Archiven ist noch genügend Notenmaterial für die nächsten 25 Jahre“, sagt Matthei. Es hat sich auch herumgesprochen, dass Frauen ebenso gut wie Männer komponieren. An Komponistinnen-Nachwuchs fehlt es also nicht.

Von Werner Fritsch

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