Neu im Kino: Steven Soderberghs Stripper-Film „Magic Mike“

Fantasien in Körperöl

Heizt ein: Dallas (Matthew McConaughey) bringt die Damen in seinem Nachtclub zum Rasen. Foto: Concorde

Du ziehst dich aus wie ein Zwölfjähriger in der Umkleidekabine“, schnauzt Alt-Stripper Dallas seinen Erotik-Novizen an. Der wirkt mit Tennissocken zur ausgeleierten Unterhose nicht gerade wie eine fleischgewordene Fantasie. Um in Dallas’ Nachtclub Xquisite in Florida die Frauen zur Raserei zu bringen, muss Adam noch üben: Hüften kreisen, den Blick über die kreischbereiten Besucherinnen schweifen lassen und natürlich das kaum verhüllte Hinterteil so dicht vor dem Publikum bewegen, dass die Ladys möglichst viele Dollarscheine ins Höschen stecken.

Steven Soderbergh („Ocean’s Eleven“) erzählt in „Magic Mike“ aus dem Männer-Strip-Milieu. Aus einer Welt, die aus Bräunungscreme, Fitnessclub und diesen Hosen besteht, die sich mit einem Griff von den Beinen reißen lassen. Aber auch aus Drogen und der Hoffnung, den Absprung in ein seriöseres Leben zu schaffen.

In Dallas’ Nachtclub brummt der Laden vor allem wegen Zugpferd Magic Mike. Hauptdarsteller Channing Tatum tanzt athletisch, integriert Breakdance-Elemente, zeigt seinen austrainierten Körper. Tatum hat in seiner Jugend selbst gestrippt, ihm ging es womöglich so wie dem Schulabgänger Adam (Alex Pettyfer), den Mike mit in den Club bringt. Wenn der erst mal seine Billig-Schlüpfer gegen Glitzerwäsche mit US-Fahne eingetauscht hat, strippt er sich wie in einen Rausch: Du hast Geld, du kriegst alle Frauen ins Bett, du hast Spaß. Was will ein schluffiger 19-Jähriger mehr, der eben erst das College geschmissen hat?

Die exotischen Einblicke in diese Entertainment-Subkultur sind eine starke und spannende Themensetzung. Soderbergh schaut aber nicht so tief in den Abgrund der verzweifelten Leben wie Darren Aronofsky in „The Wrestler“ mit Mickey Rourke als vollkommen fertigem Ex-Kämpfer. Sein Film sperrt einfach neugierig die Augen auf, um das Geschehen hinter der Bühne und die Zivilexistenz der Ausziehprofis kennenzulernen. Hier könnte der Film noch dunkler, entschiedener sein, die Unmöglichkeit, diese Existenz zu verlassen, nicht nur andeuten. Stattdessen schwelgt er entspannt in den toll choreografierten Tanzszenen und Blicken auf maskuline Muskelpakete - sicher ein Grund für den großen Erfolg in den USA.

Matthew McConaughey als Dallas ist eine Schau. Der ehemalige Herzensbrecher aus seichten romantischen Komödien zelebriert hier selbstironisch den männlichen Narzissmus. Seine große Strip-Nummer mit Colt, Westernstiefeln und eingeöltem Body erzählt ganz subtil auch vom Kampf gegen das Alter.

Genre: Tragikomödie

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: !!!!:

www.hna.de/kino

Von Bettina Fraschke

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