Fantastisch: Das Melt Trio beim Kasseler Jazzfest im Schlachthof

Wucht und experimentelle Spielfreude: Das Melt Trio mit (von links) Peter Meyer, Moritz Baumgärtner und Bernhard Meyer. Foto: Gebhardt

Kassel. Die Brüder Peter Meyer (E-Gitarre) und Bernhard Meyer (E-Bass) sowie der Schlagzeuger Moritz Baumgärtner gastierten am Samstag im Schlachthof im Rahmen des 23. Jazzfests.

Die Musik des Berliner Melt Trios ist von seltener Schönheit. Vielleicht eingängig in gewisser Weise, sanft und sogar innig. Man möchte hinwegträumen und abdriften, aber dieser Sound lullt nicht ein, man bleibt hellwach, um keine Nuance zu verpassen. Denn es sind auch Wucht und experimentelle Spielfreude dabei. Die Drei scheinen stets auf der Suche nach Ausdrucksmöglichkeiten, die noch nicht abgegrast sind. In diesem Sinne verbindet das Melt Trio zeitgenössischen Jazz und Post-Rock auf sehr kunstvolle Weise.

Die Brüder Peter Meyer (E-Gitarre) und Bernhard Meyer (E-Bass) sowie der Schlagzeuger Moritz Baumgärtner gastierten am Samstag im Schlachthof im Rahmen des 23. Jazzfests. „Wir spielen Stücke von allen unseren CDs“, verkündet Baumgärtner, nicht ohne hinzuzufügen, dass es gerade mal zwei Einspielungen seien. Beide wurden von der Kritik hochgelobt. Den dritten Silberling kündigt er für kommendes Frühjahr an. Auch daraus gab es schon mal Kostproben.

Das Repertoire der Band reicht ohnehin mühelos für mehr als einen Abend. Denn sie dehnen ihre Kompositionen aus, lassen sich treiben, arbeiten komplexe musikalische Strukturen und Spannungsbögen heraus. Schlagzeuger Baumgärtner erweist sich als Auge des Hurricans, als Gravitationsfeld, das alles zusammenhält. Das Drum-Set als Spielwiese: Unentwegt zaubert er aus allerhand Baumwollbeuteln Rasseln, Schellen und kleine Becken, um sie vor sich auf den Trommeln zu verteilen, dabei wechselt er dauernd die Sticks. Schweißtreibend bearbeitet er das Schlagzeug weniger als Rhythmusinstrument, sondern vielmehr als Klangkörper mit unzähligen Möglichkeiten. Sogar Plastikmegafone kommen mit dezenten Rückkopplungseffekten zum Einsatz.

Aber Baumgärtner ist keine trommelnde Rampensau, nein, in diesem Trio sind alle gleichberechtigt. Keiner spielt sich mit ausgefeilten und langen Soli in den Vordergrund - was im Jazz eher unüblich ist. Jeder hat seinen Raum und nutzt ihn virtuos. Das Publikum war sichtlich angetan und bekam eine Zugabe.

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