Auf fast allen Kontinenten zuhause: Die Kasseler Jazzband Triosence

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„Das krasseste, was wir bislang gemacht haben“: In Taiwan traten Triosence vor mehreren tausend Menschen auf. Anschließend ließen sich (unten von links) Matthias Nowak, Bernhard Schüler und Stephan Emig vor Postern mit ihren Konterfeis fotografieren.

Kassel. Die Musikwelt von Bernhard Schüler ist groß, aber ihr Zentrum liegt immer noch in Nordhessen. Zuletzt hat der Pianist und Wahl-Kölner mit seiner Band Triosence einen US-Songwettbewerb gewonnen.

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Triosence eröffnen am 24. Februar, 19.30 Uhr, die Internationalen Klaviertage in Bad Wildungen, Wandelhalle. Karten unter 0800/7910100.

Davor gab die Jazz-Formation riesige Konzerte in Taiwan, und demnächst wird sie ihr neues Album in Oslo aufnehmen. Dazwischen jedoch kehrt der 32-Jährige immer wieder nach Hause.

Das ist in Lohfelden. In seinem Elternhaus begann auch die jüngste Triosence-Erfolgsgeschichte: An Weihnachten vor zwei Jahren setzte er sich dort ans Klavier und schrieb „When Christmas Comes Around“. Mit dem lässig groovenden Weihnachtslied, auf dem die kalifornische Sängerin Sara Gazarek zu hören ist, haben Triosence gerade den US-Songwettbewerb „The Next Holiday Classic“ gewonnen.

Für Triosence kommen die 3000 Dollar Siegprämie und die damit verbundene PR in Nordamerika im besten Augenblick. In den nächsten Monaten soll das Ende 2010 in Europa veröffentlichte Album „Where Time Stands Still“ von Triosence und Gazarek in den USA erscheinen. Hier zu Lande hatten es die an Norah Jones erinnernden Songs bis in die Jazz-Charts geschafft.

Weil der US-Markt für eine deutsche Band sehr viel schwieriger ist, haben Triosence in Kalifornien eigens eine Managerin engagiert. Die aus Taiwan stammende PR-Expertin hat den Deutschen im Herbst jedoch erst einmal zu einem unglaublichen Konzerterlebnis in Fernost verholfen. Zur 100-Jahr-Feier der Republik China, wie die Insel im West-Pazifik offiziell heißt, arrangierte die Band traditionelle taiwanesische Volkslieder des Komponisten Yu-Shian Deng (1906-1944) neu.

In Taiwan traten Triosence vor mehreren tausend Menschen auf.

Bei ihrem dreiwöchigen Aufenthalt in Taipeh machten Schüler, der aus Kassel stammende Schlagzeuger Stephan Emig und Bassist Matthias Nowak aus den alten Melodien typische Triosence-Songs. Bei den Auftritten mit dem Sänger Huang-Chi Hsiao wurden sie von tausenden Zuschauern gefeiert. Der blinde Künstler ist einer der bekanntesten Popstars im chinesisch sprechenden Teil Asiens. Wenn die Jazzmusiker mit ihm auf die Straße gingen, waren sie sogleich von Autogrammjägern umzingelt. „Das war das krasseste, was wir bislang gemacht haben“, sagt Schüler über den Taiwan-Trip.

Im April fliegt er mit seinen Band-Kollegen, zu denen auch der zweite Bassist Ingo Senst gehört, nach Norwegen, wo sie im legendären Osloer Rainbow-Studio ihr fünftes Album aufnehmen werden. 20 000 Euro bezahlen die Triosence-Musiker, um ihren Klang in dem Studio verfeinern zu lassen, in dem sonst Stars der Jazz-Szene wie John Abercrombie, Gary Burton, Chick Corea, Bill Frisell, Jan Garbarek, Keith Jarrett, Pat Metheny, Terje Rypdal, Eberhard Weber sowie fast alle anderen Musiker des renommierte ECM-Labels aufnehmen.

Die Songs des neuen Albums, das Anfang 2013 erscheinen soll, seien reifer, weil sie „immer noch sehr komplizierte Teile haben, aber nicht mehr so kompliziert klingen“, wie Schüler sagt. Zum ersten Mal hat er auch afrikanische Elemente verarbeitet. Die Musikwelt von Bernhard Schüler wird immer größer.

Video: Triosence ft. Sara Gazarek - When Christmas Comes Around

Von Matthias Lohr

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