Fast wie in London: Sängerin Malia beim Jazzfrühling

Mit einem feinen Gespür für die Melodie: Malia bei ihrem Kasseler Auftritt. Foto: Malmus

Kassel. Mit „cool vibes und sexy vocals“ verwandelte Veranstaltungs-Zampano Markus Knierim am Samstagabend sein Theaterstübchen in einen Club, der so auch in London oder New York funktionieren würde.

Im Rahmen des Jazzfrühlings gastierte die aus Malawi stammende Sängerin Malia mit ihrem deutschen Quartett in der mit Großbildschirmen, Beamern und Videoleinwänden aufgerüsteten Katakombe, die bestens gefüllt einen würdigen Rahmen für den elegant komponierten Elektrojazz von Boris Blank bildete.

Jener Boris Blank, der schon bei Yello in den 90ern für ausgefuchste Computer-Mucke sorgte. Gemeinsam mit Malia entwickelte und produzierte er deren aktuelle CD „Convergence“, und man kreierte ein neues Image für die smarte Diva. Wenn auch Soundmischer Rolf Dressler dem Publikum brillante Frequenzen in perfekter Lautstärke präsentierte, geriet die erste Konzerthälfte etwas langweilig. Das klang nach Dachterrassen-Dinnerberieselung für den frivolen Erstkontakt zweier Bachelorabsolventen, die beim Schlürfen der Muschelsuppe die Stille nicht ertragen.

Doch Teil zwei entschädigte für alle die klangurbanen Entspannungsübungen mit Temperament, Dynamik und Originalität. Interessante Bearbeitungen von „Feeling good“, das durch Nina Simone und Michael Bublé bekannt wurde, und dem Roberta-Fleck-Klassiker „Feel like making love“ brachten Schwung in die Reihen, und die Mischung aus elektronischen Sounds und akustischen Beiträgen zündete.

Malias Timbre wirkt nicht füllig, dicht oder bluesig-schwarz. Sie klingt eher wie Lisa Stansfield oder Beady Bell. Doch sie singt mit einem feinen Gespür für Melodieführung und bleibt immer ruhig und klar im Ton.

Die Band lieferte perfekt ab und hielt sich fast ein wenig zu devot im Hintergrund. Nach zwei intensiven Stunden und mehreren Zugaben beendete Malia mit einer Soloversion von „Cry me a river“ den Live-Teil des Abends, und DJ Renee übernahm die elektronische Speisung der Massen.

Jazzfrühling heute, 20 Uhr: Vana Gierig Group featuring Paquito D’Rivera. Morgen, 20 Uhr: Jacob Karlzon 3.

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