Fast wie die Sex Pistols: Die Indierock-Band Trümmer im Schlachthof

Geben alles: Paul Pätsch (vorn) und Max Fenski beim Auftritt in Kassel. Foto:  Zgoll

Kassel. Inspiriert vom Klang englischer Punk-Bands klingen Trümmer zunächst wie eine jüngere und rauere Version von Tocotronic, mit denen sie auch nur allzu gern verglichen werden. Dennoch sind die drei Hamburger Musiker keine Nachahmer. Sie machen keine Singer-Songwriter-Musik wie Oli Schulz und sie distanzieren sich generell von Etiketten wie Hamburger Schule. Sie gehen ihren eigenen musikalischen Weg.

Dass der Schlachthof zu ihrem Konzert schlecht besucht ist, spielt für Paul Pätsch (Gitarre und Gesang), Max Fenski (Schlagzeug) und Tammo Kasper (Bass) kaum eine Rolle. Sie machen mit Leidenschaft Musik und das merkt jede Person im Saal. Für Trümmer ist es die allererste Tour, im Gepäck haben sie ihr erst im Frühjahr erscheinendes Album. Mit ihren Liedtexten und der spärlichen Information, die es online gibt, fordern sie das Publikum auf, sich mit ihnen im Moment das Auftrittes auseinanderzusetzen. Eine Einladung zum Rausch.

Die Texte der Hamburger Band drehen sich um Jugend, Jugendkultur, Rebellion und das tägliche Geflüster einer Großstadt. Die dabei transportierte Energie strahlt an diesem Abend bis in die letzte Ecke des kleinen Saals, auch eine gerissene Gitarrensaite oder unsauber abgemischte Vocals ändern daran nichts.

Das junge Trio gründete sich im April 2012 aus einem bunten Umfeld von Filmemachern, Künstlern und anderen Musikern. Aus Prinzip verzichten sie weitgehend auf Internet-Promotion und andere Moden, die oft als Rettung der Musik im 21. Jahrhundert gepriesen werden.

Dieser Abend hat dagegen etwas Magisches - unweigerlich drängen sich Assoziationen zu den legendären Sex Pistols auf, bei deren erstem Solokonzert nur eine Handvoll Leute waren, die aber später die Musikszene von England völlig auf den Kopf stellten. Trümmer ist eine Band, die Hoffnungen weckt, Hoffnungen an die deutsche Musikszene. Nicht umsonst drängte das Publikum am Ende auf eine Zugabe.

Von Marvin Bayer

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