Faszination einer Sängerin

Marie Heeschen bei „Achtmal Alte Brüderkirche“

Kreatives Zusammentreffen: Cembalist Felix Schönherr (von links), Sängerin Marie Heeschen, die bildenden Künstlerinnen Anja Köhne und Melanie Vogel sowie Uwe Jakubczyk (Rezitation).   Foto: Schachtschneider

Kassel. Was für eine schöne Stimme, was für ein Auch wenn die Veranstaltungen der Reihe „Achtmal alte Brüderkirche“ sich als „komponiertes“ Zusammenspiel von Musik, Text, Kunst verstehen, hatte der vorletzte Termin der Saison am Sonntagabend, der unter dem Thema „Schwestern“ stand, einen Star.

Die junge Sängerin Marie Heeschen faszinierte die etwa hundert Zuhörer eindeutig am meisten.

Sie verstand es, ganz Altes ebenso wie ganz Neues souverän darzubieten. Ganz alt das Lamento der Euterpe der frühbarocken Komponistin Barbara Strozzi, ein herrliches Stück voll tiefer Empfindung. Großer Tonumfang und verschiedene Stimmungslagen sind gefragt. Alles gelang prächtig, ebenso wie zwei der „Récitations“ des 1945 geborenen Griechen Georges Asperghis, theatralische Umsetzungen französischer Texte, deren Inhalt den Zuhörern verborgen blieb, teils Sprechgesang, teils Musik. Sie wiederum sind nicht denkbar ohne die berühmte „Sequenza III“ von Luciano Berio, rhythmische Deklamation von Lauten, die nicht Wort sind und doch viel sagen. Die hochkomplizierte vokale Aufgabe löste Marie Heeschen wiederum vorzüglich.

Drei weitere Schichten kamen zu dem 70-minütigen Kunstereignis hinzu. Felix Schönherr aus Oberwinter (Rheinland) spielte auf überlegene Weise Cembalomusik von Girolamo Frescobaldi und Jan Pieterszoon Sweelinck. Die Bildende Kunst vertraten Anja Köhne und Melanie Vogel mit ihrer Installation „teils, teils (Das Gleiche ist nicht dasselbe)“: Auf dem Altar war ein gefaltetes Doppelporträt platziert, auf dem man zwei ineinander montierte Gesichtshälften der beiden Kasseler Künstlerinnen erkennen konnte. Auf der gegenüberliegenden Querwand des langen Kirchenschiffs der Alten Brüderkirche lief ein Endlosvideo, auf dem zu sehen war, wie die beiden Frauen sich kämmten. Komplex oder gebrochen war hier nichts. Texte zum Thema des heißen Abends in der kühlen Kirche schließlich trug der Theologe Uwe Jakubczyk vor.

Von Johannes Mundry

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