Die Faszination des Fortschritts:

Technikmuseum Kassel zeigt Industriefotografie 

Forscher überprüfen im Labor einen Mikrochip: Auch bei den Fotos von Thomas Ernsting muss man oft zweimal hinsehen. Foto: Thomas Ernsting/Repro hna

Kassel. Auf den ersten Blick irritieren viele der Fotos von Thomas Ernsting, dessen Wanderausstellung "Deutsche Technikstraße" zur Zeit im Technikmuseum an der Wolfhager Straße zu sehen ist. Man weiß einfach nicht, was man dort eigentlich sieht.

Grund für die Verunsicherung kann zum einen Ernstings Spiel mit ungewohnten Perspektiven sein. Zum anderen zeigt die Wanderausstellung Fotos von Dingen, die meisten Betrachter so noch nie gesehen haben. Menschen mit seltsamen Konstruktionen auf dem Kopf, unzählige bunte Kabel und blitzende Chromteile, wirkungsvoll und ästhetisch in Szene gesetzt, das Innere einer Flugzeugturbine oder einen neuartigen Simulator für die Luftfahrttechnik.

„Die Bilder erschließen sich erst, wenn man näher hinsieht“, sagt Bernd Scott, Vorstandsmitglied des Technikmuseums Kassel, wo Ernstings Bilder derzeit zu sehen sind. Zwischen alten Feuerwehrautos und einem ausrangierten Transrapidwaggon stehen die Stellwände mit den plakatgroßen Fotos.

Glühendes Rotorblatt

Hightech und Historie, dieser Gegensatz begeistert Scott. Im Museum soll alles seinen Platz finden, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Technik, sagt er. Sein Lieblingsbild der Ausstellung zeigt ein frisch gegossenes Rotorblatt für Windkraftanlagen, das noch zu glühen scheint. Zum näheren Hinsehen veranlassen dieses und weitere Fotos von Ernsting in jedem Fall, denn es macht neugierig, was man dort sieht. Worum könnte es sich handeln?

Man will wissen, woran die Menschen tüfteln, testen und forschen, die in Kitteln und Blaumännern als Beiwerk zur Technik mit abgelichtet sind. Meist gibt erst die Bildunterschrift Aufschluss: Sie entwickeln künstliche Herzklappen, experimentieren mit Computerchips, testen das Strömungsverhalten von flüssigem Stahl in einer virtuellen Simulation.

Spiegelungen und Reflexe

Ernsting hat digitale Bilder von Computern abfotografiert, mit Spiegelungen und Lichtreflexen gearbeitet – auf diese Weise wurden die Fotos zusätzlich verfremdet und wirken umso interessanter. Die Ausstellung weckt Begeisterung am Fortschritt, beleuchtet ihn von einer faszinierenden Seite. Und das ist durchaus so gewollt. Initiator ist nämlich der Verein Deutscher Ingenieure (VDI), der für den Technikstandort Deutschland werben will. Dass Ernstings Bilder die Technik glorifizieren, ist das Einzige, was Bernd Scott nicht so an ihnen gefällt. „Hier im Museum setzen wir uns sonst auch kritisch mit der Fehlbarkeit von Technik auseinander.“

Die Ausstellung „Deutsche Technikstraße“ läuft noch bis zum 20. September, Technikmuseum Kassel, Wolfhager Straße 109, mittwochs bis freitags, 14 bis 17 Uhr, samstags und sonntags, 11 bis 17 Uhr, Eintritt fünf/ ermäßigt zwei Euro.

Von Irene Habich

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