Ausstellung: Faszinierende Skulpturen im Bad Arolser Schloss

+
Nur auf den ersten Blick niedlich: Einige in Bronze gegossenen Arbeiten von Laura Ford - hier vor dem Bad Arolser Schloss - thematisieren Armut und Obdachlosigkeit.

Bad Arolsen. Im zehnten Jahr seines Bestehens beschenken das Bad Arolser Christian-Daniel-Rauch-Museum und der Museumsverein die Besucher mit einer attraktiven Ausstellung, die der Kunst des in Arolsen geborenen klassizistischen Bildhauers (1777-1857) zeitgenössische Skulpturen gegenüberstellt.

Die vier internationalen, viel beachteten Positionen bilden ein denkbar weites Spektrum - schon in der unterschiedlichen, faszinierenden Behandlung des Materials, das von Holz über Metall, Marmor und Granit bis zu Textilien reicht. Was das Quartett eint, ist der Blick auf den Menschen und seine Stellung in der Natur, in der Gesellschaft: Was bestimmt den Menschen, was macht ihn aus, wie nimmt er seine Umwelt wahr, wie verhält er sich zur Natur?

Auf solche Fragen finden Laura Ford, Masayuki Koorida, David Nash und Jaume Plensa sehr verschiedenen Antworten, die sich in den fantastisch geeigneten historischen Räumen und im Außenbereich des Schlosses dennoch hervorragend ergänzen.

Bis 18. November, Westflügel des Schlosses in Bad Arolsen, Mi - Sa 14.30 - 17, So 11-17 Uhr, Infos: Tel. 05691/625734, www.museum-bad-arolsen.de

Laura Ford

Die 1961 in Cardiff, Wales, geborene Laura Ford sieht in ihren anrührenden, auch handwerklich beeindruckenden Arbeiten „eine Mischung aus Humor, Melancholie und Dunkelheit“. Tatsächlich führt das auf den ersten Blick Niedliche ihrer vermenschlichten Tierfiguren in die Irre. Ford, die 2005 ihre Heimat auf der Venedig-Biennale vertrat und in Arolsen auch Aquarelle zeigt, erzählt traurige Fabeln, so spielerisch-heiter ihre Bronzegüsse und Textil-Plastiken scheinen. Ihr Dachs, der im Müll wühlt, ein bettelnder Fuchs, sie thematisieren Armut und Obdachlosigkeit. Drei süße Äffchen sind allesamt Versehrte. Und ob ihre Pinguingesellschaft glücklich ist? Oder sind es lauter Vereinzelte, die einsam, am falschen Ort vor sich hin starren?

M. Koorida

Aus schwarzem oder weißem Granit und Marmor gemeißelt und auf Hochglanz poliert, erinnern die Werke des 1960 in Kyoto geborenen, in Schanghai lebenden Japaners Masayuki Koorida an Lebewesen in riesiger Vergrößerung, vielleicht an Moleküle oder Amöben. Die künstlichen Formen, die gleichwohl organisch gewuchert zu sein scheinen, bilden einen starken Kontrast zur barocken Umgebung.

Jaume Plensa

Seit zwei Jahren steht eine acht Meter hohe, aus weiß lackiertem Stahl gefügte, begehbare Skulptur des 1955 in Barcelona geborenen Jaume Plensa auf dem Campus der Universität in Frankfurt. Verschiedene Alphabete und Zeichensysteme hat der Katalane in das Geflecht eingesetzt, das dieses „Body of Knowledge“ bildet: einen Menschen, der die Füße an den Rumpf gezogen hat. Die Figuren, die der Künstler in Bad Arolsen zeigt, sind nicht ganz so mächtig. Aus Buchstaben gebildet sind auch sie: Sprache konstituiert das Menschsein, Verständigung fällt schwer. Zum ersten Mal zeigt Plensa das Mobile „Silhouettes“, das auf Zitaten von William Blake beruht.

David Nash

Kaum zu glauben, dass David Nash (1945 geboren in Esther, Surrey) Holz mit der Kettensäge bearbeitet. Sorgfältig-filigran wirkt sein Umgang mit dem Material. Auch mit Feuer bearbeitet er es, und er fertigt Bronze-und Eisengüsse. Nicht zuletzt arbeitet das Holz selbst, es reißt und zieht. Ganz wunderbare Arbeiten entstehen so, ob aus abgelagerten Stämmen, mit frisch geschlagenem oder noch im Wachsen befindlichen Holz.

Seit 1967 lebt der 2008 in der Kunsthalle Emden mit einer Retrospektive geehrte Künstler im walisischen Ort Blaenau Ffestiniog. Natur, Kunst und Leben in seiner waldreichen walisischen Wahlheimat bilden für Nash eine Einheit. Der Bildhauer ist auch Land-Art-Künstler: 1977 pflanzte Nash dort 22 Eschen im Kreis. Mittlerweile wuchsen die Kronen zu einer Kuppel zusammen. In Bad Arolsen zeigt Nash davon Zeichnungen.

Von Mark-Christian von Busse

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.