Engelbert Humperdincks Oper „Hänsel und Gretel“ feiert in Kassel Wiederaufnahme

Feiner Märchenzauber

Musikalisches Märchenland: Szene aus „Hänsel und Gretel“ mit Solisten und dem Kinderchor Cantamus. Foto: Klinger

Kassel. Kurz vor der Pause von Engelbert Humperdincks Märchenoper „Hänsel und Gretel“ kriecht eine Riesenschnecke mit Kussmund über die Bühne, während die beiden Geschwister sich zum Schlafen gelegt haben. Engel mit Flügeln und Propellern bevölkern den dunklen Wald. Ein prächtige Kulisse, die Bühnenbildner Thomas Richter-Forgách hier geschaffen hat, fantasievoll, bunt, aber niemals kitschig.

Ältere Opernbesucher mögen sich bei diesem Namen an den legendären Kasseler Wagner-„Ring“ Ulrich Melchingers aus den 1970ern erinnern, der ebenfalls von Richter-Forgách ausgestattet wurde. Die Humperdinck-Oper unter der Regie von Elmar Gehlen hatte 2010 erstmals Premiere. Am Freitag feierte sie im nicht ganz ausverkauften Opernhaus Wiederaufnahme. Mit großem Erfolg, denn die Inszenierung hat in der Zwischenzeit nichts von ihrer Frische eingebüßt.

Wenn beim Erwachen der beiden Kinder das Hexenhaus als riesiger, mit Süßigkeiten behangener Fliegenpilz erscheint, hoppeln viele der jungen Zuschauer aufgeregt auf ihren Sitzen. Sie sind ja auch so sympathisch, die frechen rothaarigen Kinder, dass man mit ihnen mitfiebern muss. Ulrike Schneider ist ein cooler Hänsel, sängerisch jederzeit souverän. Und Ani Yorentz verströmt mit ihrem feinen lyrischen Sopran als Gretel viel Charme. Auch die übrigen Rollen sind adäquat besetzt: Marian Pop und Lona Culmer-Schellbach als Elternpaar, Erik Biegel als Knusperhexe, Joanna Wydorska als Sandmännchen und Catherina Paz Cartes Alarcon als Taumännchen. Mit viel Spielfreude agiert auch der Kinderchor Cantamus.

Am Pult stand bei der Wiederaufnahme Evan Christ (44). Der Cottbusser GMD gehört zu den Kandidaten für die Nachfolge Patrik Ringborgs als Generalmusikdirektor ab 2017. Es war ein Dirigat ohne besondere Höhepunkte bei bisweilen sehr gedehnten Tempi („Abendsegen“), wobei auffiel, dass Evans eher auf große Linien denn auf die Detailausformung setzte.

Wieder am 27.12., 2.1.2016. Karten: Tel. 0561 / 1094-222.

Von Werner Fritsch

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