Ein suggestives Erlebnis: Ji-Youn Song spielte Klaviermusik von Cage und Schumann

Ein feinsinniger Dialog voller Anmut

Eindrucksvolle Persönlichkeit: Ji-Youn Song. Foto: Fischer

KASSEL. Seinen Dank für eine mutige Tat sprach der künstlerische Leiter der Kasseler Musiktage, Dr. Dieter Rexroth, der Pianistin Ji-Youn Song am Samstag im Ständesaal aus. Couragiert und spannend war es fürwahr, was die herausragende Kasseler Klavierkünstlerin bei den Musiktagen darbot. Sie mixte nämlich Auszüge aus John Cages „Sonatas and Interludes“ (1946-48) mit den neun romantischen Miniaturen von Robert Schumanns „Waldszenen“ (1848/49).

An zwei Flügeln wurde musiziert - für Cage waren die Klaviersaiten in zweistündiger Arbeit mit Schrauben und Gummi präpariert worden, was dem Klang etwas Perkussives gab. Es war ein beziehungsvoller Kontrast, denn bei aller Ferne zwischen Cage und Schumann waren auch Berührungspunkte zu erkennen, so etwa im poetischen Element, das beiden Zyklen innewohnt.

Vor allem aber wurde der Dialog zwischen den Epochen durch die eindrucksvolle Künstlerpersönlichkeit von Ji-Youn Song zusammengehalten. Äußerst feinsinnig, anmutig wie energisch, spielte sie beide Komponisten: ein suggestives Erlebnis für sechzig gebannt lauschende Gäste.

Im anschließenden Gespräch mit Dieter Rexroth präsentierte sich Ji-Youn Song als quicklebendige Diskutantin, bevor sie in der Zugabe verblüffte. Cages Sonata 6 erklang zunächst auf dem präparierten, dann auf dem normalen Flügel. Und siehe da: Ohne metallischen Klang mutete das Stück des vor hundert Jahren geborenen Neutöners wie eine romantisch-impressionistische Komposition an.

Von Georg Pepl

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