Kabarettist Tobias Mann begeisterte in der Baunataler Stadthalle

Feinsinniger Witz

Wie Groucho Marx auf Ecstasy: Tobias Mann in Baunatal. Foto: Fischer

Baunatal. „Auszeichnungen und Preise sind wie Hämorrhoiden. Früher oder später bekommt sie jedes Arschloch.“ Mit diesem Billy-Wilder-Zitat spuckte der vielfach prämierte Kabarettist und Musiker Tobias Mann in der voll besetzten Baunataler Stadthalle schon zu Beginn seines Programms „Verrückt in die Zukunft“ der Leistungsgesellschaft kräftig in die Suppe.

Es folgte ein zweieinhalbstündiges Feuerwerk an feinsinnigen Gedankensprüngen, Wortakrobatik und Songs, das von einem begeisterten Publikum ausgiebig gefeiert wurde. Dabei pendelte er zwischen Comedy, politischem Kabarett und musikalischem Entertainment, ohne sich in Belanglosigkeit zu verlieren. Wo sich manche Kollegen beim Kampf um attraktive Themen das Mario-Barth-Syndrom einfangen, flutet Tobias Mann intellektuelles Brachland und feuert aus allen Rohren.

„Wenn Managergehälter in Hartgeld ausgezahlt würden, wäre unsere Welt eine andere.“ Übergangslos überschwemmt er ernste Inhalte mit burlesker Leichtigkeit, agiert dabei wie Groucho Marx auf Ecstasy und sucht immer wieder den direkten Kontakt zum Zuschauer. Politische Intelligenz gepaart mit Mainzer Reihenhaushumor ergibt bei Tobias Mann eine hochexplosive Mischung, ohne dass er dabei sein Schwiegersohn-Image gefährdet. Immer wenn er sich mit provokantem Sarkasmus bis an die Grenze des aufbegehrenden Widerspruches durchgerempelt hatte, lächelte er in die Menge und beruhigte die Gemüter mit einem flotten Spruch aus der Scherztruhe.

„Gegen die Merkel Kabarett zu machen, ist wie der Versuch, eine brennende Bohrinsel auszupissen.“ Aber auch gefühlvoll vorgetragene Poesie gehört zu seinem Repertoire. Wenn er sagt, er „fühle sich manchmal wie ein abgestellter Koffer auf einem Bahnsteig, der jederzeit explodieren könnte“, schwang zartbittere Lakonik durch die Zeilen und man spürte seinen Ernst bei dem Anliegen, den Menschen Herz und Verstand öffnen zu wollen für eine gerechtere Welt. Ein potenzieller Nachfolger für Dieter Hildebrandt und Matthias Beltz.

Von Andreas Köthe

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