Die Feisten: "Wir sind nur eine Pupskapelle"

Als A-cappella-Trio Ganz Schön Feist wurden sie bekannt, nun machen Mathias Zeh und Rainer Schacht als Duo weiter. Im Netz haben Die Feisten Riesenerfolge. Sonntag gastieren sie in Vellmar.

Vellmar. Mit A-cappella-Pop, dreistimmigem Satzgesang und lustigen Texten wurden Ganz Schön Feist bundesweit bekannt. Vor zwei Jahren hörte das Göttinger Trio auf, nun machen Mathias Zeh und Rainer Schacht als Duo weiter. Am Sonntag treten sie beim Vellmarer Festival Sommer im Park auf - als Ersatz für den abgesagten Auftritt des Comedian Philip Simon. Wir sprachen mit dem in Kassel lebenden Zeh (54), der sich als Sänger C. nennt.

Das erste Album der Feisten heißt „Versuchslabor”. War das Experiment ein Erfolg? 

Mathias Zeh: Auf jeden Fall. Am meisten hat uns überrascht, dass uns die Menschen nicht ständig mit Ganz Schön Feist vergleichen. Unser Song „Kriech nich’ da rein“ wurde auf Youtube zum Selbstläufer und findet in den Büros der Republik großen Anklang.

In der köstlichen Büro-Ballade zur Melodie von „Griechischer Wein“, die im Netz eine halbe Million Klicks hat, raten Sie Arbeitnehmern, nicht in die Körperöffnungen ihres Chefs zu kriechen. „Tu das besser nicht, denn da brennt kein Licht“, heißt es im Text. 

Zeh: Wegen dieses Liedes kommen viele Menschen zu unseren Auftritten. Auf unserer Deutschland-Tour waren viele Konzerte ausverkauft. Wir sind wirklich baff.

Stimmt es, dass Sie als Duo nur weitergemacht haben, weil die Abschiedstour mit Ihrem Trio Ganz Schön Feist so toll lief? 

Zeh: Rainer und ich wollten irgendwann schon wieder zusammen auf der Bühne stehen. Wir machen ja bereits seit 30 Jahren gemeinsam Musik. Mit Ganz Schön Feist haben wir bis zum Finale 2012 etwa 100 Auftritte im Jahr absolviert - jedes Jahr mit einer neuen CD und einem neuen Programm. Bei so vielen Terminen drohte, der Spaß verloren zu gehen. Daher wollten wir erst mal eine längere Pause machen. Dann aber wurden Rainer und ich zum Braunschweiger Festival „Pop meets Classic” eingeladen. Wir sind zu zweit vor 6000 Menschen in der VW-Arena aufgetreten, und das Publikum war aus dem Häuschen. Das war die Geburtsstunde der Feisten.

Ist das eigentlich noch A-Capella-Pop, was Sie nun machen? 

Zeh: Wir versuchen, diese Frage immer zu umschiffen, weil wir selbst noch auf der Suche nach einem Begriff sind, der unseren Stil beschreibt. Wir verwenden mehrere Instrumente, insofern ist es kein A-cappella-Gesang mehr, was zu zweit ohnehin nicht einfach wäre. Ansonsten streifen wir viele Genres - von Comedy bis zu Grinsballaden.

Wie ist es, mit 50 Jahren endlich einen Führerschein zu haben, wie Sie in „50 Jahre” erzählen? 

Zeh: Total abgefahren. Nein, ich habe längst einen Führerschein. In unseren Liedern stellen wir uns nur oft vor, was wäre wenn. Auf der Bühne reden wir unglaublich viel Mist. Das Publikum sollte nicht alles glauben, was wir erzählen.

In „Fußball-WM is’ alle Jahre wieder” gestehen Sie: „Fußball war mir immer schon so was von egal. Wenn ich das jetzt sage, komm ich an den Marterpfahl.” Sind Sie dafür gesteinigt worden? 

Zeh: Nein. Wir haben sehr positives Feedback erhalten. Viele haben sich gefreut, dass endlich auch die Gegenseite eine Stimme erhält.

Wie gut können Sie von der Musik leben? 

Zeh: Eigentlich sind wir nur eine kleine Pupskapelle, aber die läuft ziemlich gut. Selbst das eine Jahr Pause und den Verdienstausfall haben wir überstanden. Eigentlich bin ich gelernter Masseur und Bademeister, aber wegen der Musik kann ich diese Berufe schon lange nicht mehr ausüben. Dafür ist meine Freundin die am besten massierte Frau von Kassel.

Die Feisten: Sonntag, 19 Uhr, Sommer im Park in Vellmar, Brüder-Grimm-Straße. Tickets: HNA-Kartenservice, 0561/203-204, www.piazza.ddticket.de

Zur Band

Mitglieder: Mathias Zeh (links) und Rainer Schacht

Gegründet: 2013, nachdem Zeh und Schacht zuvor mit Christoph Jess große Erfolge als A-cappella-Pop-Trio Ganz Schön Feist gefeiert hatten.

Debütalbum: „Versuchslabor“

Privates: Zeh (54) lebt mit seiner Freundin im Kasseler Habichtswald, Schacht in Mannheim. Die neuen Lieder haben sie in einem Ferienhaus in Veckerhagen im Reinhardswald geschrieben.

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