Felix Klare über den neuen Island-Krimi

Jugendliebe: Franka Potente als Krimiautorin Solveig Karlsdóttir und Felix Klare als Fischer Binni. Foto: ard

"Der Tote im Westfjord" heißt der erste ARD-Island-Krimi mit Franka Potente, der am Donnerstag, 20.15 Uhr, im Ersten läuft. Ihre Jugendliebe spielt Felix Klare.

Die ARD-Krimis mit Sehnsuchts-Schauplätzen haben einen ein neuen Ableger: Es gilt, Island zu entdecken - mit Franka Potente, einem seltenen Stargast im hiesigen TV. „Der Island-Krimi: Der Tote im Westfjord“ führt sie am Donnerstag, 20.15 Uhr, als Solveig Karlsdóttir ein: Krimiautorin, Uni-Dozentin und Single-Frau. Ihre Mutter (Hildegard Schmahl) driftet ab in die Demenz. In ihrem Heimatdorf wird ein Jugendfreund tot im Hafenbecken gefunden. War es ein Unfall, wie die Polizei vermutet - oder etwa Mord?

Solveigs Jugendliebe Binni spielt Felix Klare. Wir haben mit ihm über den Island-Krimi gesprochen.

Sie sehen ein bisschen strubbelig aus in dem Film und geraten als Tatverdächtiger ins Visier - haben Sie sich wohl in Ihrer Haut gefühlt?

Felix Klare: Ja, sehr. Total. Rein optisch: So sehe ich eigentlich immer aus, das ist nah dran. Ich habe mich sehr wohl gefühlt. Das Land ist unbeschreiblich schön. Es gibt auch keinen Vergleich. Das ist ein ganz eigenes Fleckchen. Sehr lohnenswert, dorthin zu fahren.

Wie schwer ist das, sich in einen wortkargen Fischer in einem rauen kleinen Nest in einer abgeschiedenen Ecke der Kälte Islands einzufühlen?

Klare: Das ist gar nicht schwer. Das hat mir nicht viel abverlangt. Es sind keine extremen, sondern verhältnismäßig normale Figuren. Das war ja kein Massenmörder. Das Extremste war, dass man eine andere Nationalität behauptet, einen Isländer verkörpert. Das hat glaub ich sehr gut funktioniert. Ich war sehr offen, das ganze Team bestand aus Isländern. Wir sind ja nur drei deutsche Schauspieler. Wenn man da wach durch den Tag geht, kommt man mit vielen ins Gespräch und kann sich ein bisschen einfühlen, was das für ein Völkchen ist.

Ist das nicht eine anspruchsvolle und auch etwas undankbare Aufgabe, unter lauter Isländern einen Isländer zu spielen?

Klare: Nein, nein. Im Gegenteil. Ich hatte eher Respekt. Andere hätten diese Rolle vielleicht auch gern gehabt. Ich fand’s schön, dass ich die Chance bekommen habe. Die waren auch alle sehr aufgeschlossen, in einem deutschen Film mitzumachen.

Die Isländer haben durch die Fußball-EM enorm an Popularität gewonnen. Die Neugier auf dieses Land kommt der Resonanz auf den Film vielleicht zugute.

Klare: Das stimmt. So habe ich das noch gar nicht betrachtet. Das konnte keiner wissen, dass Island so gut sein würde.

Ist man bei solchen Dreharbeiten im Ausland ganz darauf fokussiert, oder hatten Sie die Chance, Island kennenzulernen?

Klare: Im Prinzip ist man darauf konzentriert, aber weil meine Drehtage auseinander lagen und es sich nicht lohnte, für zwei, drei Tage nach Deutschland und wieder zurückzufliegen, konnte ich ein bisschen mit dem Mietwagen rumfahren. Island ist sehr karg, aber überhaupt nicht langweilig. Das war alles ungewöhnlich und neu für mich: Ich habe fast keinen Baum gesehen, aber Wasserfälle, unbeschreiblich vielschichtige Farben, unterschiedliche Braun-, Grau- und Grüntöne. Viele Gebirgsketten, schneebedeckte Berge, unglaubliche Weiten. Man hat das Gefühl, man ist in einem Niemandsland an einem entlegenen Zipfel der Erde, fühlt sich ganz klein, die Natur ist ganz groß und kommt ganz nah. Die Menschen sind alle sehr freundlich. Und wenn man nachts um 2 Uhr aus der Kneipe kommt, ist alles taghell. Das ist das Absurdeste. Dann ist man, schwupps, wieder nüchtern.

Die Leute im Film haben alle dicke Pullover an. Da entsteht so gar kein Sommergefühl.

Klare: Wir hatten maximal 14, 15 Grad. Da ziehen alle gleich T-Shirts an.

Dass Sie in ein für Sie fremdes Land reisen können, ist das auch ein Grund, eine solche Rolle anzunehmen? Und wonach suchen Sie sonst Ihre Filme aus?

Klare: Das ist absolut ein Argument. Ich hatte vor ein paar Jahren auch einen Brasilien-Film gedreht, das war auch toll, von Berufs wegen in ein anderes Land, eine andere Kultur zu kommen. Sonst hätte ich das nicht mal eben gemacht. So geht das alles relativ reibungslos. Ich gucke sonst unvoreingenommen ins Drehbuch. Ist das eine ganz schlechte Geschichte, in der ich mich nicht wiederfinde, würde ich das nicht machen. Bei diesem Film hatte ich da überhaupt kein Problem, weil der Regisseur Till Endemann mittlerweile ein guter Freund ist. Ich weiß, dass der super Arbeit macht und kann mich blind auf den verlassen.

Mein Eindruck war: Es wurde in diesen Film sehr viel reingepackt, es geht um Fischfangquoten, eine komplizierte Familiengeschichte, ums Thema Demenz, alles zusätzlich zur Krimihandlung. Aber es wird sehr schön davon erzählt, wie Veränderungen drohen und das Leben neu sortiert werden muss.

Klare: Was mir am deutlichsten aufgefallen ist, war der Look. Mir kam es überhaupt nicht deutsch vor. Das ist sehr selten im deutschen Film und Fernsehen. Das ist wie ein skandinavischer Krimi.

Es kann einem auch komisch vorkommen, wenn - wie bei den Venedig-Krimis - ein bekannter deutsche Schauspieler über den Lido flaniert. Das ist hier nicht der Fall. Aber populäre Schauspieler und fremde, reizvolle Schauplätze, spektakuläre Landschaften - das scheint eine unschlagbare Kombination zu sein.

Klare: Vielleicht ist es auch wie ein „Tatort“, der irgendwo in Europa spielt. Ein europäischer „Tatort“. Vielleicht erhofft man sich dieses Format. Aber das ist reine Spekulation.

Franka Potente hat man in den vergangenen Jahren sehr selten gesehen. Sie macht sich rar. Wie haben Sie die Dreharbeiten mit ihr wahrgenommen?

Klare: Als absolut angenehm. Wir hatten eine ganz schöne Zeit, eine gute Zusammenarbeit. Das ist auch zuträglich, dass die Rolle jemand gespielt hat, der gar nicht immer im deutschen Fernsehen präsent ist. Und trotzdem kennen sie noch viele. Ich mache ja auch nicht x-beliebige Sachen. Ich bin nicht Schauspieler geworden, um möglichst viel Geld zu verdienen, sondern um meiner Kunst nachzugehen. Und meine Figur ist ein bisschen wortkarger - das ist vielleicht ganz gut.

Konnten Sie denn mit dieser etwas mystischen Welt etwas anfangen?

Klare: Schon. Esoterik ist mir nicht völlig fremd, obwohl ich auch Realist bin. Haptische Elfen, die man sieht und anfassen kann, gibt es natürlich nicht. Aber das kommt ja nicht von irgendwoher, das ist nicht alles ausgedachter Quark. Das ist schon berechtigt.

Sie sind diesmal nicht der Ermittler. Wie weit sind Sie auf die Rolle des Stuttgarter „Tatort“-Kommissars festgelegt? Hilft Ihnen diese Popularität, andere Filme zu machen? Oder ist der „Tatort“ auch eine Bürde?

Klare: Das ist bisher ganz gut gelaufen. Ich war immer auch ein bisschen wach, sodass ich nicht nur als „Tatort“-Kommissar wahrgenommen werde. Ich bin ja nicht „Tatort“-Kommissar, sondern Schauspieler. Das reizt mich auch an diesem Beruf, dass man möglichst viele Facetten in sich ausloten und völlig unterschiedliche Rollen spielen kann. Ich hab mir auch gesagt: Wenn das gar nicht mehr stattfindet, muss ich in den sauren Apfel beißen und den „Tatort“ wieder sein lassen. Aber ich bekomme gute Angebote und kann immer mindestens zwei schöne andere Sachen neben den zwei „Tatorten“ drehen. Mir ist schon bewusst, dass der „Tatort“ vorrangig ist, aber ich werde auch anders wahrgenommen.

Sie selbst können sich von der Rolle als Bootz gut freimachen.

Klare: Ja, total. Absolut. Natürlich. Das muss ich auch.

Wir sind in der Redaktion große Fans Ihres Teams. Sie hatten ein Alleinstellungsmerkmal: Sie waren der einzige Ermittler mit Familienleben.

Klare: Das wollten wir auch alle halten. Aber dann wollte meine Partnerin, meine „Spielehefrau“ sozusagen, aussteigen. Die Trennung war aus der Not geboren. Die Überlegung war: Tauscht man die Figur einfach aus? Da habe ich gesagt: Das kann man nicht machen. Man kann die Zuschauer nicht für dumm verkaufen. Es gab auch mal die Überlegung, dass meine Frau stirbt, aber dann wäre das so ähnlich geworden wie bei meinem Partner. Dann wäre das auf lange Zeit so eine depressive Soße geworden. Das ging auch nicht. Deshalb diese Variante.

Wir waren von dieser Trennung alle ganz entsetzt. Es ist bei allen „Tatort“-Ermittlern nur schwierig und verkorkst, das spiegelt ja die Realität nicht ansatzweise wider. Aber vielleicht lernt Bootz ja wieder jemand kennen.

Klare: All diese Überlegungen gibt es. Ich will das wachhalten. Ich sehe mich immer noch als jungen Schauspieler. Dadurch ist meine Figur auch jung und kann sich in jegliche Richtung entwickeln. Aber die Macher wünschen auch eine Wiedererkennbarkeit. Meine Lederjacke wird immer sehr gewünscht. Ich hätte kein Problem, die auch mal gegen was Anderes auszutauschen.

Zur Person

Felix Klare (38, geboren in Heidelberg) ist vor allem durch seine Rolle als Hauptkommissar Sebastian Bootz im Stuttgarter „Tatort“ an der Seite von Richy Müller bekannt. Der Sohn eines Ärzteehepaars, das aus der DDR geflohen war, absolvierte die Schauspielschule „Ernst Busch“ in Berlin, spielte Theater u. a. in Berlin, Hamburg und Freiburg und drehte zahlreiche Fernsehfilme. Er lebt mit seiner Frau, Schauspielerin Zora Thiessen, und vier Kindern in München.

Von Mark-Christian von Busse

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