Fest des unverfälschten Jazz: Das Don Menza Quartet beim Jazz-Frühling in Kassel

Don Menza beim Jazzfrühling im Theaterstübchen Hans Strasser (Bass) Foto: Schachtschneider

Kassel. Wo heute Jazz draufsteht, muss nicht nur Jazz drinnen sein. Mal wird Jazz mit Pop gemischt, mal mit Weltmusik oder Klassik. Dem Stilmix sind kaum Grenzen gesetzt, und das ist auch legitim. Ein willkommener Kontrast zur postmodernen Buntheit ist es trotzdem, wenn Jazz auf höchstem Niveau in stilistischer Reinheit erklingt. Genau damit brillierte das Don Menza Quartet am Montag beim Jazz-Frühling im gut gefüllten Theaterstübchen.

Was der amerikanische Bandleader auf seinem Tenorsaxofon hören ließ, war beeindruckend in hohem Maße. Es gab einen ungemein kraftvollen Ton, eine mitreißende Inspiration und Energie. Don Menza ist ein Phänomen an vitaler Musikalität: Am 22. April wird er 81 Jahre alt. Und er ist ein echtes Original, wie er auch in seinen Zwischenansagen bewies. Da erzählte er diverse Anekdoten, erinnerte etwa an Max Greger, in dessen Orchester er in den 60er-Jahren gespielt hatte. Und zwischendurch ließ er sich und der Band auch mal Grappa bringen.

Großartig waren seine Mitmusiker aus Österreich – ein Land, das nicht nur eine starke Klassik-Tradition hat. Mit feinstem Stilgefühl spielten Pianist Oliver Kent, Kontrabassist Hans Strasser und Schlagzeuger Bernd Reiter, der auch modische Akzente setzte: Mit Krawatte und Einstecktuch erwies sich der in Paris lebende Steirer als swingender Gentleman.

Der lange, aber nie langweilige Abend brachte unter anderem eine energetische Version von Henry Mancinis „Charade“. Gemeinsam mit Oliver Kent würdigte Don Menza in „Body and Soul“ den großen Tenorsaxofonisten Coleman Hawkins. Und für Sonny Rollins, einen anderen genialen Saxofonisten, spielten die vier Musiker die fröhliche Calypso-Nummer „Sonny Daze“, die auch das Titelstück ihres brandneuen Doppelalbums ist. Riesenbeifall für ein Fest des unverfälschten Jazz.

Von Georg Pepl

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