Katharina Hackers Roman „Anton, Alix und die anderen“ erzählt von Krisen der Mittvierziger

Festgefahren in der Alltagsroutine

Katharina Hacker Foto:  dpa

Was kann im Leben noch kommen nach dem 40. Geburtstag? Katharina Hackers neuer Roman „Anton, Alix und die anderen“ spielt im Milieu der Altbauwohnungs-Akademiker, die sich zwischen Sonntagsspaziergängen mit den Eltern und dem politisch korrekten Einkauf beim türkischen Gemüsehändler ihr Leben eingerichtet haben. Mit einem Mal werden sie von der Angst befallen, die wohlige Bequemlichkeit könnte ihnen die Kehle zuschnüren.

Der schwule Bernd betreibt nach Jahren der Orientierungslosigkeit einen Buchladen, Jan ist Psychiater und mit der labilen Alix verheiratet, die keinen Beruf ausüben kann, Anton ist Allgemeinmediziner mit Beziehungssehnsucht. Der Roman begleitet diese Figuren im Alltagsdasein - und zeigt schließlich, dass eine Veränderung nur dann eintreffen kann, wenn ein Mensch diese überhaupt für möglich hält. Diese Offenheit lässt frischen Wind in die Muffigkeit der Routinen - und reißt womöglich die anderen Gruppenmitglieder mit.

Katharina Hacker steht vor der schwierigen Situation, an ihren Erfolgsroman „Habenichtse“ anknüpfen zu müssen, der 2006 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde. Man merkt „Anton, Alix und die anderen“ diese Anstrengung an, was dem Roman nicht gut tut. Die 42-Jährige wählt einen multiperspektivischen Zugang, der nicht uninteressant ist. Sie nimmt in kühl-analytischem Erzählton die Perspektive aller Mitglieder der Freundesclique ein, von den Eltern und von der Betreiberin eines vietnamesischen Restaurants.

Diese Multiperspektivität will Hacker auch im Layout des Romans zeigen - und das funktioniert nur mäßig. Neben den Haupttext stellt sie auf fast jede Seite eine breite Randspalte, in der parallel die Sicht einer anderen Romanfigur geschildert wird. Um diese Form hatte es einen Streit zwischen der Autorin und Suhrkamp gegeben, bei dem sich Hacker über den Verlag beschwerte, den sie nun wechselt.

Da nur selten wirklich dasselbe Geschehen aus verschiedener Sicht oder gar in variierendem Erzählton geschildert wird, bringt die Aufsplittung nicht das, was sich die Autorin davon versprochen hatte. Dass die Sprache oft ins Allgemeinplatzhaft-Unpräzise kippt („Wir sind übriggeblieben, irgendwie steckengeblieben in unserem Leben.“), verstärkt den etwas schwammigen Gesamteindruck des auf mehrere Teile angelegten Werks noch.

Katharina Hacker: Anton, Alix und die anderen. Suhrkamp, 126 Seiten, 19,80 Euro. Wertung: !!!::

Von Bettina Fraschke

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