Festival Körperstürme: „5 Intermezzi“ von Manfred Trojahn werden von Tänzern und Instrumentalisten interpretiert

Das Schleifen nackter Fußsohlen als Klangelement

Kassel. Am Ende bewegen sich alle Tänzer in einem großen Kreis durchs leer geräumte Kirchenschiff, jeder auf seine individuelle Art – kriechend oder springend, ausschreitend oder trippelnd. Alle Stile haben hier Platz, die Verschiedenheit der Persönlichkeiten ergibt ein großes Miteinander. Ein schönes Schlussbild für einen großartigen Tanzabend in der Kasseler Kirche St. Martin am Freitag. Beim Tanzfestival Körperstürme wurde aus den fast voll besetzten Sitzreihen an den Raumseiten euphorisch geklatscht.

Die Produktion „Materia Prima“ unter choreografischer Leitung von Dieter Heitkamp und musikalischer von Pablo Druker setzte sich mit „5 Intermezzi“ von Manfred Trojahn auseinander. Es tanzten Studierende des Studiengangs zeitgenössischer und klassischer Tanz aus Frankfurt, es musizierte das junge IEMA-Ensemble aus Frankfurt, wobei besonders Gast-Gitarrist Florian Wöber mit seinem feingliedrigen Spiel hervorzuheben ist.

Im ersten Teil werden die fünf Intermezzi hintereinander gespielt, dazu zeigen die jungen Tänzer ganz unterschiedliche Bewegungsstile und Bilder, angeleitet von verschiedenen Choreografen. Mal kraftvoll und athletisch, mal in Tierkostümen, etwa einem transparenten Kokon, aus dem gleich ein Schmetterling schlüpfen könnte. Dann auch als knisternde Begegnung von Mann und Frau oder als sportlicher Kampf in einer Arena.

Nach der Pause folgt eine Szenenreihe, in der die Musik Trojahns immer mehr verfremdet wird, sei es durch DJ-Bearbeitungen der Gebrüder Teichmann, die – manchmal kaum hörbar – eine Beatunterlage schaffen, sei es aber auch durch die Tänzer, die in einem der Höhepunkte des Abends vokal eine schnaufende Klangkulisse erzeugen. Auch das Schleifen nackter Fußsohlen auf dem Kirchenboden kann hier Soundelement werden.

So entstehen zwei Stunden intensiver und extrem abwechslungsreicher Klang- und Bewegungsexperimente, die auch Momente voller Humor haben, etwa wenn neben dem Gitarristen einer steht, der unentwegt Störgeräusche mit knisterndem Plastik macht.

Von Bettina Fraschke

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