Festival-Streit in der Grünen Hölle: Zum letzten Mal Rock am Ring

+
So geht es zu bei Deutschlands größtem Rockfestival: Auch dieses Wochenende werden wieder mehr als 80 000 Fans zu Rock am Ring an den Nürburgring kommen – zum letzten Mal.

An diesem Wochenende geht in Deutschland ein Stück Musikgeschichte zu Ende. Zum letzten Mal findet der Festival-Klassiker Rock am Ring auf dem Nürburgring in der Eifel statt. Mehr als 80.000 Fans werden zu Stars wie Metallica, Kings of Leon und dem Kasseler Pop-Duo Milky Chance erwartet. Es wird zwar weitergehen, aber nicht mehr wie bisher.

? Wieso ist das Festival auf dem Nürburgring am Ende? 

! Natürlich wegen des Geldes. Anfang des Jahres hatte die insolvente Motorsportstrecke mit dem Düsseldorfer Automobilzulieferer Capricorn einen neuen Eigentümer gefunden. Der, so sagt es Konzertveranstalter Marek Lieberberg, der Rock am Ring 1985 erfunden hat, kündigte den Vertrag und legte einen neuen Kontrakt mit 25 Prozent höheren Forderungen vor. Daraufhin verkündete Lieberberg, dass das 30. Jubiläum des Festivals 2015 an einem anderen Ort gefeiert werde.

? Was macht Rock am Ring so besonders? 

Wie vor zwei Jahren ist Gitarrist Kirk Hammett mit seiner Band Metallica einer der großen Stars. Fotos: dpa

! Vor allem seine Geschichte. Lieberberg hatte schon lange davon geträumt, den Geist von Woodstock bei einem mehrtägigen Rockfestival in Deutschland wiederzubeleben. Das rheinland-pfälzische Innenministerium machte ihm schließlich den landeseigenen Nürburgring schmackhaft - obwohl der mit seinem schlauchartigen Gelände alles andere als der ideale Festival-Ort ist. Bei der Premiere 1985 traten Stars wie U2, Joe Cocker und Marius Müller-Westernhagen auf. Es folgten viele legendäre Auftritte - etwa von Rage Against The Machine, den Toten Hosen und den Sportfreunden Stiller, die im Vorjahr auf dem Bühnendach spielten. Das typische Ringwetter verwandelte das Gelände oft in eine Schlammwüste, in der die Fans Sauf-Partys feierten. Jugendliche, die das einmal erlebt haben, glauben, erwachsen zu sein.

? Wie geht es nächstes Jahr weiter?

! Marek Lieberberg will Rock am Ring an einem anderen Ort weiterführen. Medien spekulieren über den Lausitzring bei Cottbus. Der 68-Jährige will jedoch den Westen Deutschlands abdecken, während das Schwesterfestival Rock im Park in Nürnberg weiter den Süden versorgen soll. Möglicher Schauplatz könnte das JHQ-Gelände, ein ehemaliger britischer Militärstandort in Mönchengladbach, sein. Und zwar wieder am ersten Juni-Wochenende.

An diesem Termin wird auch nächstes Jahr wieder am Nürburgring gerockt. „Grüne Hölle“, wie die legendäre Nordschleife, soll das Nachfolgefestival dort heißen, wie Capricorn mitteilte. Musikpartner ist die Deutsche Entertainment AG (DEAG), die bislang vor allem im Klassikbereich zu Hause ist. 80 Prozent sollen so bleiben wie bei Rock am Ring. Das alles klingt nicht mehr nach Liebe und Frieden wie einst in Woodstock, sondern nach einem „Krieg der Festivals“, wie manche befürchten.

Rock am Ring im TV: EinsPlus überträgt von Donnerstag bis Sonntag jeweils ab 18 Uhr. 

Auch Milky Chance ist dabei

Clemens Rehbein ist gerade rechtzeitig wieder fit geworden. Wegen einer Stimmbandentzündung hatte der Sänger des Kasseler Pop-Duos Milky Chance vor zwei Wochen Konzerte in Mailand, Rom und Köln absagen müssen. Der 21-Jährige hat sich zu Hause auskuriert und stand am Montag mit seinem Musikpartner Philipp Dausch schon wieder in Paris auf der Bühne.

Wäre Rehbein Fußballer, würde man sagen: Er ist wieder in WM-Form. Am Wochenende steht mit Rock am Ring und Rock im Park der vorläufige Saison-Höhepunkt an. Samstag (17 Uhr) treten Milky Chance am Nürburgring auf, Sonntag (19 Uhr) in Nürnberg.

Später geht es dann nach Übersee: Im Oktober geben die Nordhessen erste Konzerte in den USA. Im Januar 2015 wollen sie Australien erobern. Dort hat ihre Single „Stolen Dance“ gerade Platin bekommen.

Von Matthias Lohr

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.