Musiker appellierte an die junge Generation

Auftritt bei Burg Herzberg Festival: Begegnung mit der Ikone Patti Smith

+
Mit großer Eindringlichkeit: Patti Smith beim Auftritt auf dem Burg Herzberg Festival.

Breitenbach/Herzberg. Patti Smith hat in den Monaten rund um ihren 70. Geburtstag im Dezember immer wieder in Interviews und Konzerten darauf hingewiesen, dass es ihre Generation war, die die Bewegung zu „Love & Peace“ gegründet und diese Ziele selbst auch gelebt hat.

Dass nun aber eine neue Generation gefragt sei, diese Ideale zu übernehmen und weiterzutragen. Extra für ihr Konzert am Sonntagabend beim Hippie-Festival in Breitenbach am Fuß der Burg Herzberg waren auch Bands geblieben, die schon am Vortag dort gespielt hatten. Sie alle wollten die Sängerin, Dichterin, Malerin, Fotografin, Performerin und religiöse Mystikerin auf ihrer letzten Tour noch einmal sehen. Künftig will sie nur noch vereinzelt Konzerte geben.

Es herrscht für ein Festival untypische Stille, als Patti Smith hinter der Bühne durch ein Spalier im respektvollen Abstand stehender Musiker, Veranstalter und Manager auf dem mit Matten über den Schlamm führenden Weg zur Bühne schreitet. Sie sieht ein kleines Mädchen, winkt, lächelt, verlässt den Weg und ihre Security-Leute, geht hin und wünscht der neuen Generation ein großes Konzerterlebnis. Ergriffenheit selbst bei ihrem Agenten.

Und es wurde ein großes Konzerterlebnis. Mit „Wing“ zur Eröffnung unter dem Abendhimmel („Alles, was ihr für euch tun könnt: Seid ein Flügel am blauen Himmel“), „Dancing Barefoot“ und dem hymnischen „Ghost“ (Refrain „We shall live again“) erzeugte Patti Smith in der ersten Viertelstunde auch bei gestandenen Rockfans Gänsehaut.

Ihre Stimme ist ein wenig brüchiger geworden, was ihrem Gesang aber bei der Interpretation eines Anti-Kriegsgedichtes des Filmregisseurs Andrej Tarkowskij und einem dem Künstler William Blake gewidmeten Song („My Blakean Years“) eher noch mehr Eindringlichkeit verlieh.

Mit dem U2-Song „Mothers Of The Disappeared“ über verschleppte Kinder überall in der Welt, den sie laut ihrer Ankündigung erst Tage zuvor gelernt hatte, weil die Band sie in Paris zu einem gemeinsamen Auftritt gebeten hatte, bewies Patti Smith, dass sie nach „Because The Night“ (Springsteen) und „Gloria“ (Van Morisson) die Songs anderer, großer Musiker immer noch perfekt zu ihren eigenen machen kann. Mit diesen beiden Hits für die Ewigkeit machte sie zum Abschluss ihr Publikum restlos glücklich.

Die Zugabe „People Have The Power“ zeigte einmal mehr, dass Patti Smith ihre kämpferische Seele bewahrt hat. In einer Zeit, in der so viele große Musiker von uns gegangen sind, ist sie die alles bewahrende Überlebende und Erinnernde. Möge sie trotz der „neuen Generation“ noch lange weitermachen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.