Beth Ditto über ihre Rolle als dicke Ikone und das neue Album ihrer Band Gossip

„Zu fett, zu lesbisch, zu vorlaut“ - Gossip-Sängerin Beth Ditto im Interview

Beth Ditto

Seit Veröffentlichung ihrer Platte „Music for Men“ ist Ditto viel mehr als nur eine Rockmusikerin. Die US-Amerikanerin ist eine Ikone. Wir unterhielten uns mit der 31-Jährigen über „A Joyful Noise“, das neue Album ihrer Band Gossip.

Stimmt die Meldung, dass Sie unbedingt einen Song für Madonna schreiben wollen?

Beth Ditto: Ja. Und ich würde sie auch gerne stylen. Ich würde dafür sorgen, dass Madonna sehr chic aussieht. Sie soll nicht immer so durchgedreht und aufgemotzt herumlaufen. Sondern lieber mal etwas Klassisches tragen.

Die Gossip-Single „Perfect World“ kommt einer Madonna-Nummer nah. Das Stück erinnert an „Papa Don’t Preach“?

Ditto: Wirklich? Das ist so ein süßer Vergleich. „Perfect World“ ist die größte Hymne auf dem Album, Ich habe das Lied nach dem Ende meiner vorigen Beziehung geschrieben. Wir waren neun Jahre zusammen, am Ende sprachen wir nicht mehr miteinander, Und das Fazit lautet: Die Welt ist einfach nicht perfekt.

Gossip haben ihre Wurzeln in der Punkszene von Portland. Kann man dennoch sagen, dass „A Joyful Noise“ noch stärker in Richtung Pop geht als Ihre früheren Alben?

Ditto: Nicht unbedingt. Wir experimentieren einfach gerne. Manche Songs benötigen Synthesizer, andere schreien nach harten Gitarren.

Gossip sind jetzt Superstars. Wie kommen Sie damit klar?

Ditto: Wir haben in den USA null Erfolg. Das ist einerseits Mist, andererseits super. Wenn ich zu Hause bin, habe ich meine Ruhe.

Warum klappt’s nicht in den USA?

Ditto: Zu fett, zu lesbisch, zu vorlaut, was weiß ich?

Sie sind lesbisch, dick und haben eine große Schnauze. Haben Sie sich mit Ihrer Rolle als Ikone direkt zu Beginn deiner Karriere angefreundet?

Ditto: Ich fühle mich etwas gehemmt in dieser Funktion, was bei mir wirklich nicht oft vorkommt. Insgesamt fange ich an, diese Vorbildsache ein bisschen ernster zu nehmen. Die Qualität meines Lebens ist so viel höher, weil in der Generation vor mir die Homoaktivistinnen und die Feministinnen sich den Arsch aufgerissen und hart gekämpft haben, damit es vorwärts geht.

Sind Sie schon so selbstbewusst zur Welt gekommen?

Ditto: Ich wuchs mit zwei Schwestern auf, der Ton bei uns ist rau. Ich war immer schon eine laute, fast lächerlich selbstbewusste Person.

Sie verabscheuen Sexismus, waren aber zwei Mal nackt auf einer Titelseite zu sehen. Wie passt das zusammen?

Ditto: Eine fette Person zu sein und sich in der Öffentlichkeit nackt auszuziehen, ist ein feministischer und politischer Akt. Es ging mir nicht ums Scharfmachen, sondern um ein „Hier bin ich“.

Wie sehr achten Sie darauf, was Sie essen?

Ditto: Viel mehr als die Leute denken. Nur weil ich fett bin, muss ich mich ja nicht scheiße ernähren.

Sie haben Ihr Album in einem 600 Jahre alten Landhaus in England aufgenommen. Wie hat es Ihnen dort gefallen?

Ditto: Es war unheimlich. Es gab dort eine Alice Lidell, sie soll die Inspiration des Autors Lewis Carroll gewesen sein. Angeblich lebt ihr Geist bis heute in diesen Gemäuern.

Und? War der Geist da?

Ditto: Ich weiß es nicht, denn ich habe dort nicht genächtigt. Ich bin alles andere als eine ängstliche Person, aber vor Geistern fürchte ich mich abgrundtief.

Gossip: A Joyful Noise (Columbia)

Von Steffen Rüth

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