Fettes Brot im Interview: "Wenn es geil ist, ist es gut"

Fünf Jahre war vom Hamburger HipHop-Trio Fettes Brot nichts Neues zu hören. Nun melden sich König Boris, Dr. Renz und Björn Beton mit „3 is ne Party“ zurück. Das Album klingt, als seien die Brote nie weg gewesen. Es geht um Hamburg, Party und Frauen. Old-School-HipHop trifft auf Electro-Clash, Disco und Pop-Hymnen.

„Es ist eine typische Fettes-Brot-Platte im Gewand von 2013. Der Sound klingt sehr euphorisch“, sagt König Boris (39).

Sie sind um die 40, zum Teil Familienväter. Man glaubt, Sie würden es etwas ruhiger angehen lassen. Und dann sieht man im Video zur Single „KussKussKuss“, wie Sie eine wilde Party feiern. Hat es Spaß gemacht?

König Boris: Auf jeden Fall. So uralt sind wir ja auch noch nicht, dass wir nicht wüssten, wie eine gute Party geht.

Ziehen Sie immer noch gemeinsam um die Häuser?

König Boris: Selbstverständlich. Unser Studio, das übrigens „Studio Iglesias“ heißt, liegt mitten auf St. Pauli. Da haben wir es nicht weit zum Feiern. Mittlerweile können wir die guten von den schlechten Partys unterscheiden. Eine gute Party braucht eine bestimmte Mischung aus Leuten, Musik, Location und Faktor X.

Was ist der Faktor X?

König Boris: Den gibt es, wenn eine spezielle Magie in der Luft liegt und Dinge besonders toll sind, ohne dass man sagen kann, warum sie so toll sind. Diese magischen Momente kennen Sie sicher auch.

Ich komme aus Kassel, da gibt es nicht so viel Magie. Ums Küssen geht es in „KussKussKuss“ aber gar nicht, oder?

König Boris: Es geht darum, dass wir etwas vermeintlich Harmloses, wie einen Rapper zu küssen, zu etwas Gefährlichem umdrehen. Im Hintergrund spielt auch die Gender-Frage eine Rolle. Man weiß nicht, ob wir eine Frau oder einen Mann besingen.

Das Lied zeigt sehr schön, was Fettes Brot von anderen unterscheidet. Mit Ihnen kann man viel Spaß haben, zugleich sind Sie aber auch eine politische Band.

König Boris: Wenn man uns so sieht, bin ich ein glücklicher Mensch. Viele überfordert das auch. Die können sich nicht vorstellen, dass Ernsthaftigkeit und Spaß gleichzeitig funktionieren können.

Als Sie Ihr letztes Album veröffentlichten, gaben Brutalo-Rapper wie Bushido den Ton an. Heute zählen smarte Typen wie Casper und Cro zu den Stars. Freut Sie diese Entwicklung?

König Boris: Ja, wir finden, dass es derzeit eine sehr große Vielfalt an deutschsprachiger Rapmusik gibt. Wir hatten uns immer schon gewünscht, dass es unterschiedliche Interpretationen gibt. Das wollten früher einige Leute nicht akzeptieren. Diese Zeiten sind vorbei. Und man hört natürlich, dass der eine oder andere der neuen Künstler schon mal eine Fettes-Brot-Platte gehört hat. Das nehmen wir mal als Kompliment.

Ihr Image als Spaßkanonen nehmen Sie in „Klaus & Klaus & Klaus“ in Anlehnung an das Schlagerduo Klaus und Klaus auf die Schippe. Wie sehr nervt Sie Ihr Ruf?

König Boris: Es gab Zeiten, da hat uns das sehr gestört. Mittlerweile sind wir gelassener. Wir können damit leben, wenn uns Menschen als norddeutsche Spaßkanonen einschätzen. Ich finde allerdings, dass es eine oberflächliche Betrachtungsweise ist. Wir machen dann lieber einen Song darüber statt rumzuheulen.

Ihre Kollegen von den Fantastischen Vier sitzen mittlerweile in Jurys von Castingshows. Auch Sie hatten solche Angebote. Wie lang mussten Sie überlegen, bis Sie abgesagt haben?

König Boris: Ich habe sehr viele Angebote bekommen, und mein Entschluss stand relativ schnell fest, dass ich das nicht machen will. Das viele Geld lockt natürlich - das gebe ich zu. Aber ich habe das Gefühl, dass man dann schnell zu einem abgerundeten Fernsehgesicht wird, während die Musik in den Hintergrund tritt. Das wollte ich nicht. Wir haben auch unfassbar viele Werbeangebote abgesagt.

Wie schafft man es, als Rapper in Würde zu altern?

König Boris: Das ist Learning by doing. Wenn ich Künstler auf der Bühne erlebe oder CDs höre und mich das mitreißt, dann ist mir völlig egal, ob das von einem 18-Jährigen oder einem 90-Jährigen kommt. Wenn es geil ist, ist es gut. So lange man etwas zu erzählen hat und sich dabei wohlfühlt, fragt sich das Publikum auch nicht: „Darf der das machen?“ Wir haben zudem den Vorteil, dass es die Ärzte und die Toten Hosen gibt, die alle noch mal zehn Jahre älter sind als wir. Bei denen funktioniert es ja auch noch. Insofern kann man mit uns weiterhin rechnen.

Fettes Brot: 3 is ne Party (Fettes Brot Schallplatten). Wertung: vier von fünf Sternen

Von Matthias Lohr

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