Feuer frei: Roland Emmerichs Kino-Spektakel „White House Down“

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Angegriffen: Ex-Soldat Cale (Channing Tatum, links) und Präsident Sawyer (Jamie Foxx) wissen sich zu wehren.

Mit „Doodle“ wäre das nicht passiert: Diese Kinosaison laufen in Hollywood gleich zwei Blockbuster vom Band, in denen mit dem Weißen Haus das wichtigste Symbol amerikanischer Macht unter Beschuss gerät.

Vor wenigen Monaten ließ Antoine Fuqua in „Olympus Has Fallen“ die Pennsylvania Avenue Nr. 1600 von einem Terrorkommando nordkoreanischer Herkunft erstürmen, jetzt eröffnet Roland Emmerich in „White House Down“ noch einmal das Feuer auf die Präsidentenherberge. Während Fuquas Actionspektakel furchtlos tagesaktuelle Feindbilder bediente, wächst in „White House Down“ die Gefahr für Leib und Leben (und Anwesen) des US-Präsidenten direkt aus der amerikanischen Gesellschaft heraus. Die Terroristen wurden im rechtsradikalen Spektrum rekrutiert, und die Auftraggeber kommen aus dem militärisch-industriellen Komplex.

Präsident Sawyer (Jamie Foxx) verfolgt nämlich einen radikalen Friedensplan im Nahen Osten, der den Abzug aller amerikanischen Truppen aus der Region vorsieht, was bei der Rüstungslobby auf wenig Gegenliebe stößt. Jamie Foxx baut seine Figur sehr dicht an den amtierenden Präsidenten heran. Der einnehmende Charme gehört hier genauso zum Rüstzeug wie Basketballschuhe und Nikotinkaugummis.

In politischer Hinsicht ist dieser Sawyer allerdings eher ein Obama, wie ihn sich Liberale erträumen würden und dem im Kino die Chance zu einem Heldentum gegeben wird, die ihm in der Realpolitik verwehrt bleibt.

Dem Staatsmann zur Seite gestellt ist mit dem Polizisten und Ex-Soldaten Cale (Channing Tatum) ein kampferprobter Praktiker. Dennoch muss Mr. President im Eifer des Gefechtes auch selbst einmal zum Raketenwerfer greifen, um die Verfolger abzuschütteln. In solchen Momenten erinnert der Film eher an Buddy Movies wie „Lethal Weapon“, und überhaupt sollte man trotz aller tagesaktuellen Verweise „White House Down“ nicht als Politthriller missverstehen.

Dieser Film ist immer noch durch und durch ein echter Emmerich, auch wenn der US-Schwabe hier einmal nicht die ganze Welt untergehen lässt, sondern sich mit der Zerstörung des amerikanischen Regierungssitzes zufriedengibt.

Genre: Action

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: drei von fünf Sternen

Von Martin Schwickert

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