Ein Feuerwerk des Jazz: Der Trompeter Christian Scott

Schickte Liebesgrüße an seine Lebensgefährtin: Jazz-Trompeter Christian Scott im Schlachthof. Foto: Fischer

Kassel. Wenn der in New Orleans geborene Trompeter Christian Scott so urgewaltig wie technisch versiert in sein Instrument bläst, dann steigt sein Energiepegel auf Höchstwerte.

Da auch seine Bühnenkollegen am Donnerstag im gut besuchten Schlachthof nicht minder energetisch geladen waren, glichen die ersten drei Stücke einer überfallartigen Invasion in Sachen Jazz.

Doch der 29-Jährige kann auch anders – nämlich romantisch. Liebesgrüße in die letzte Reihe folgten. Dort saß seine Lebensgefährtin, der er die Ballade „Isadora“ widmete. „I love her“, bekannte er schwärmend. Anders als im Programm zu lesen war, standen sechs Musiker auf der Bühne. Von dem angekündigten Quartett war neben Scott nur der Gitarrist Matthew Stevens dabei.

Am Schlagzeug – nicht zu übersehen mit seiner turmhohen Wollmütze – trommelte sich Corey Fonville die Seele aus dem Leib, das Piano temperierte der sensibel aufspielende Lawrence Fields, am Saxofon explodierte der junge Braxton Cook und am Kontrabass gab Luques Curtis, der ruhende Pol der Band, dem exzentrischen Spiel seiner Bühnenkollegen ein Fundament. In Christian Scott sehen nicht wenige Kritiker einen neuen Stern am Jazzhimmel aufsteigen. Schon nach seinem ersten Album „Rewind That“ im Jahr 2006, neun der zwölf Stücke waren Eigenkompositionen, wurde Scott für einen Grammy nominiert.

Im Schlachthof begeisterten er und seine Musiker mit dem aktuellen Doppelalbum „Christian aTunde Adjuah“. Die Arrangements strahlen eine enorme Kraft und Kreativität aus. Jedes einzelne Stück des genialen Trompeters hat so viele Facetten, dass man darüber eine Kritik schreiben könnte.

Technisch versierten Jazz verschmelzt Scott mit dem aggressiven Potenzial von Funk und Rock und sorgt inmitten des Jazz-Feuerwerks immer wieder für besinnliche Balladen-Momente. Bärenstark.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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