HR-Sinfonieorchester gastierte bei den Kasseler Musiktagen

Mit feurigem Elan

Mitreißend: Solist Ryu Goto beim Auftritt in der Kasseler Stadthalle. Foto: Schachtschneider

Kassel. Ein voller Erfolg war das zweite Orchesterkonzert der Kasseler Musiktage: Der Violinvirtuose Ryu Goto, der charismatische Dirigent Andrés Orozco-Estrada und das fantastische HR-Sinfonieorchester bereiteten in der Stadthalle ein musikalisches Fest vor 900 begeistert applaudierenden Zuhörern.

Ryu Goto (27) ist der jüngere Bruder der Geigerin Midori und ein vielseitig begabter Zeitgenosse. Der amerikanisch-japanische Musiker hat einen schwarzen Gürtel in Karate sowie von der Harvard University einen Bachelor-Abschluss in Physik. Und er spielt Geige mit feurigem Elan, wie er in Tschaikowskys Violinkonzert bewies.

Virtuos, druckvoll und mit einem schillernd-vibrierenden Ton, der sich von dem glasklaren Orchesterklang abhob, musizierte er das beliebte Werk, um nach kräftigem Applaus zwei Zugaben zu spielen: den „Obsession“-Satz aus Eugène Ysaÿes zweiter Solosonate und die Meditation von Jules Massenet.

Schon bei Tschaikowsky hatten Dirigent Andrés Orozco-Estrada und das Orchester eine elektrisierende Kraft gezeigt. Zum Hauptereignis des Abends wurde dann die plastische, rhythmisch vitale Wiedergabe von Gustav Mahlers Erster Sinfonie.

Andrés Orozco-Estrada (37), aus Kolumbien stammend und in Wien ausgebildet, ist seit einem Jahr als Nachfolger von Paavo Järvi der Chefdirigent des HR-Sinfonieorchesters. Und er ist ein treibender Energetiker mit einem ansteckenden Temperament. Toll, wie er gerade die Tanz- und Bewegungscharaktere ausschöpfte, den Ländler- und Walzercharakter im zweiten Satz, den akzentuierten Trauermarsch im dritten Satz.

Doch auch die anderen Elemente wurden transparent. Filigran und leicht tönte eingangs die „Naturlaut“-Klangfläche, auf die noch im ersten Satz massive Steigerungen anschlossen. Erst recht durch Mark und Bein ging der instrumentale Aufschrei am Beginn des Finales, das sich zu einem triumphalen Schluss durchrang – alles von den HR-Musikern großartig gespielt. Kein Wunder, dass Riesenbeifall in der Stadthalle aufbrandete.

Von Georg Pepl

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