Fiese Juden, tapfere Muslime: der umstrittene Kinoerfolg „Tal der Wölfe - Palästina“

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Angriff in Jerusalem: Polat Alemdar (Necati Sasmaz) im Dauereinsatz.

Alle Israelis sind fiese Schurken. Die Palästinenser hingegen sind aufrechte, unschuldige Menschen, die um ihr Leben fürchten müssen. So sind sie auf den Spezialagenten Polat Alemdar angewiesen - nur der Türke und seine Freunde können ihr Überleben sichern.

Die Welt ist höchst übersichtlich in dem finsteren türkischen Actionfilm „Tal der Wölfe - Palästina“, der mit Verzögerung nun in Deutschland angelaufen ist und sich nach Auskunft von Verleih-Sprecherin Fulya Yolasan zum Kassenschlager entwickelt.

Necati Sasmaz spielt den beliebten Actionhelden Polat Alemdar, der gekommen ist, Rache zu üben. Politischer Anlass für knapp zweieinhalb Stunden Ballerei und üble Propagandasprüche ist der israelische Angriff auf ein türkisches Schiff, das Hilfsgüter nach Gaza bringen sollte.

Achtzig Prozent des Films von Zübeyr Sasmaz kommen ohne Dialog aus, da wird nur geschossen. In billiger Videospielästhetik fallen israelische Soldaten wie die Spielfiguren um - Schutzwesten helfen gegen türkische Waffen offenbar nicht. Polat Alemdar in seinem blütenweißen Hemd scheint hingegen unverwundbar. Wenn gesprochen wird, geht es propagandistisch zur Sache, antiisraelisch und antijüdisch. Israel wird als Kriegstreiber dargestellt, der betagte Strippenzieher Avi freut sich über eine Waffe, die Menschen „chemisch von innen verbrennt“, und redet davon, dass Palästinenser nur unter Schmerz lernen - wie Ratten. Er plant ein Groß-Israel.

Dramaturgischer Trick

Die Palästinenser werden als rechtschaffene Muslime gezeigt, was in dem Satz gipfelt, der Islam sei DIE Religion des Friedens, aber man habe nun genug davon, weltweit das Opfer zu sein. Als dramaturgischer Trick gelangt ausgerechnet eine amerikanische Jüdin in den Schutz des türkischen Vergeltungskommandos, ihre juden-kritische Politisierung wird dann beispielhaft durchexerziert. Denn sie erlebt eine palästinensische Familie, deren bescheidenes Haus von Armeepanzern niedergewalzt wird, unter dem Kommando des sadistischen Oberschurken Moshe Ben Eliezer (Erdal Besikcioglu), der natürlich weiß, dass noch der behinderte Junge darin liegt, dessen Beine auf dem Schulweg von Israelis angeschossen worden waren.

Seine Oma wird verwundet, sie robbt zu den Trümmern und flüstert dem sterbenden Jungen darunter tröstend zu, dass er wenigstens in palästinensischer Erde ruhe. Nun muss die israelische Siedlungspolitik durchaus kritisch gesehen werden, hier wird aber der Zuschauer in manipulativster Weise bei seinen Emotionen gepackt.

Dagegen sind die schematischen Ballerszenen kaum der Rede wert. Dass deswegen der Film erst ab 18 freigegeben ist, wirkt wie eine Mogelpackung, die das Unbehagen der Freiwilligen Selbstkontrolle gegenüber der Propaganda kaschieren soll.

Genre: Polit-Action, OmU

Altersfreigabe: ab 18

Wertung: null von fünf Sternen

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