Junge Solistin Viola Wilmsen beim Kultursommer in Melsungen

Viola Wilmsen

Melsungen. Sie kann auch anders. Die Oboe und ihre tiefere Schwester, das Englischhorn, kennt man meist als Produzentin süßer Melodien.

Doch was die 25-jährige Oboistin Viola Wilmsen, begleitet von der japanischen Pianistin Kimiko Imani, in der Reihe „Junge Virtuosen“ des Kultursommers Nordhessen präsentierte, war eine Art Kurzdurchlauf durch die oboistische Musikgeschichte. Es gab fünf Werke aus dem 18. bis 20. Jahrhundert in der Stadtparkvilla oberhalb Melsungens. Nach einer Sonate von Carl Philipp Emanuel Bach ging es zu Robert Schumann, dessen Drei Romanzen op. 94 Wilmsen in schönem romantischem Ton vortrug, aber ein zu tiefes Versinken in der Gefühlswelt jener Zeit vermied.

Eine Rarität ist die Fantasie über die Wahnsinnsarie aus Donizettis Oper „Lucia di Lammermoor“, die der Franzose Henri Brod komponiert hat. Eine hörenswerte, denn was der Pariser Oboist und Oboenbauer aus dem Opernfiletstück macht, ist eine Bravourpièce mit hohem Anspruch. Die Künstlerin schreckte dies nicht. Ohne Anzeichen von Aufregung spielte sie das Stück so brillant, wie es sich gehört. Ganz anders die Suite op. 17 von Pavel Haas, dichteste Musik von tiefem, teils verborgenem, teils herausartikuliertem Gefühlsgehalt. Auch auf diese Stilistik konnte sich das Duo gut einstellen, ehe mit der in klassizistischem Stil gehaltenen Sonate op. 166 von Camille Saint-Saëns ein versöhnlicher Ausklang angesteuert wurde. Die Oboistin (die ihrem Instrument ein gelegentlich unangenehmes Rauschen abgewöhnen muss) gab eine souveräne Vorstellung, auch das Duo-spiel war bestens einstudiert.

Kimiko Imani durfte sich mit zwei Chopin-Stücken solistisch darstellen. Dass bei der f-Moll-Ballade aus Opus 52 eine Saite riss, hatte sie nicht zu verschulden, denn ihr Spiel war eher zurückhaltend. Viel Beifall der 110 Besucher.

Von Johannes Mundry

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