Film zum Finale: Maha Maamouns Einzelausstellung endet

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Ein Ort der Freiheit: Maha Maamoun hat im al-Azhar-Park in Kairo gefilmt. Archivfotos: Koch

Kassel. Maha Maamoun arrangiert in ihren beeindruckenden Videoarbeiten existierendes Film-, Bild- und Tonmaterial neu. Sie ordnet, analysiert, stellt Fragen: nach der Bedeutung des kulturellen Erbes, der Last der Geschichte, dem Spielraum der Freiheit. Noch bis zum 17. August ist die erste Einzelausstellung der 1972 in Kalifornien geborenen, in Kairo lebenden Künstlerin im Fridericianum zu sehen.

Zum Abschluss der im Turm perfekt präsentierten Maamoun-Schau, die parallel zur Gruppenausstellung „nature after nature“ stattfindet, lädt Kuratorin Nina Tabassomi zu einem Film ein, der eine der Arbeiten noch besser zu verstehen hilft (siehe Kasten).

Alle vier Videos im Turm - der sich ideal für ihre Vorführung eignet - erschließen sich auch ohne allzu viel Vorwissen oder theoretischen Ballast. „Mir ist die Chronologie der Arbeiten wichtig“, sagt Tabassomi. Zum Auftakt läuft „Domestic Tourism II“ von 2008. Maamoun hat Sequenzen aus der ägyptischen Kinogeschichte montiert, in denen die Pyramiden von Gizeh auftauchen: immer als Hintergrund, wenn sich die Dinge zuspitzen. Liebe, Eifersucht, Gewalt - stets geht es um alles. Maamoun untersucht natürlich, wie Bilder instrumentalisiert werden. Aber in der schnellen Abfolge der aus dem Zusammenhang gerissenen Kulisse haben all die melodramatischen Höhepunkte auch etwas sehr Komisches.

In „Night Visitor: The Night Of Counting the Years“ (so auch der Titel der Ausstellung) geht es nicht um fiktionale Dramen, hier wird es wirklich ernst. Maamoun hat auf Youtube gefundene, verwackelte Handyaufnahmen der Erstürmung von Staatssicherheitsgebäuden zusammengeschnitten. „Ein flüchtiger Moment der Hoffnung“, sagt Tabassomi, der das Scheitern schon ahnen lasse: Das Militär ist an der Macht.

Die jüngste Arbeit ist eine wunderbare Reflektion über Wahrheit und Vertrauen. Maamoun hat im al-Azhar-Park betörende Bilder, aber auch, von ihnen unbemerkt, Paare im Gespräch eingefangen. Ein Text, in den ein Koranzitat eingeflossen ist, verhandelt das Thema Heimlichkeit: Ist der Wunsch, alles über die geliebte Person zu wissen, verständlich, gar ein Liebesbeweis? Wird durch das Belauschen alles zerstört? Der Park, laut Tabassomi Ort von Freiheit und Intimität in Kairo, wird als geschützter Raum gezeigt, was Bilder und Geräusche gleichzeitig dementieren. Und, so die Kuratorin, als Betrachter wissen wir, dass Überwachung heute auch bei uns ein aktuelles Thema ist.

Filmvorführung am Sonntag

Maha Maamoun verknüpft in einem ihrer Videos, „2026“, Chris Markers experimentellen, wegweisenden Science-Fiction-Film „La Jetée“ (1962), der Paris nach dem Dritten Weltkrieg zeigt, mit einem Science-Fiction-Roman von Mahmoud Osman („The Revolution of 2053: The Beginning“, 2007). Maamoun stellt Filmszenen nach, aneinandergereihte Standbilder eines Mannes mit verkabelter Schlafmaske, und legt eine Tonspur der düsteren Vision des Buchs darüber - ein unbehagliches, klaustrophobisches Gefühl stellt sich ein.

„Ich habe festgestellt, dass praktisch niemand den Chris-Marker-Film kennt“, sagt Kuratorin Nina Tabassomi. Sie hat deshalb eine Vorführung organisiert. Beginn ist am Sonntag, 10.8., 17 Uhr, im Kleinen Bali. Mit Einführung und Gespräch mit Kritiker Matthias Dell.

Von Mark-Christian von Busse

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