Regisseur und Schauspieler Til Schweiger im Interview über seine neue Komödie „Kokowääh“

„Film kriegt Ernsthaftigkeit“

Vor und hinter der Kamera zählt Regisseur, Autor, Produzent und Schauspieler Til Schweiger zu den erfolgreichsten deutschen Filmschaffenden. In dieser Woche präsentiert Schweiger seine neue Regiearbeit: „Kokowääh“ ist eine Familienkomödie, in der sich ein Frauenheld Vaterpflichten stellen muss.

Herr Schweiger, drückt Ihr Film das Bedürfnis nach einer größeren Ernsthaftigkeit aus?

Til Schweiger: In erster Linie bleibt „Kokowääh“ eine Komödie. Man soll das Kino mit einem guten Gefühl verlassen. Es war nicht mein Bedürfnis, jetzt mal einen ernsteren Film zu machen. Aber natürlich kriegt der Film durch sein Thema eine andere Ernsthaftigkeit als eine Beziehungskomödie wie „Zweiohrküken“. Auch aus „Zweiohrküken“ hätte man ein Drama machen können, dann würden sich die beiden nach zwei Jahren Beziehung das Leben zur Hölle machen. Aber so etwas interessiert mich nicht.

Ist der Titel „Kokowääh“ original Kindermund?

Schweiger: Wir haben daran gefeilt, wie ein Kind „Coq Au Vin“ aussprechen würde. Dass der Film einmal so heißen würde, war da noch gar nicht klar. Diese typischen, doofen Titel amerikanischer romantischer Komödien und ihre deutschen Verdolmetschungen hasse ich wie die Pest.

Ihre Tochter Emma spielt eine Hauptrolle. In Hollywood würde man behaupten, 7000 Kinder gecastet zu haben, bevor man auf die Idee kam, die eigene Tochter zu besetzen.

Schweiger: Als ich die Ur-Fassung des Drehbuchs von Béla Jarzyk gelesen habe, war eine von vielen Anmerkungen, die ich gemacht habe: So redet kein Kind. Er hat zwei Kinder, ich habe vier. Also haben wir uns zusammen hingesetzt und angefangen zu schreiben. Irgendwann habe ich das Drehbuch mit Emma gelesen. Ich hatte Emma schon im Kopf, und ich habe gesehen, wie toll sie es umsetzen konnte. Ich wäre ja blöd, wenn ich andere Kinder casten würde, wenn ich die Chance habe, mit meiner eigenen Tochter zu arbeiten.

Hatte Emma Lust darauf?

Schweiger: Ja, sie hat mich nach „Zweiohrküken“ ständig gefragt, wann wir einen dritten Teil drehen. Ich habe ihr erklärt, dass es lange dauert, bis man ein gutes Buch hat.

Die Presse reagierte kritisch, als Will Smith seinen Sohn zum Karate-Kid machte. Sind Sie auf Ähnliches vorbereitet?

Schweiger: Wenn ich mich danach richten würde, was einige Leute schreiben, dürfte ich keine Filme mehr machen. Ich weiß, dass viele Menschen meine Filme lieben. Und ich liebe sie auch. Ich werde nicht damit aufhören, nur weil jemand schreibt, der Typ kann nichts. Außerdem kann man das nicht mit Hollywood vergleichen. Emma macht keine Promotion für den Film, und sie läuft auch nicht jeden Tag in einem anderen Outfit über irgendwelche roten Teppiche.

Wie normal ist Ihr Leben?

Schweiger: Ich gehe ganz normal einkaufen. Wenn ich bei Kaisers an der Wursttheke stehe, fragt mich die Verkäuferin vielleicht, ob ich mal in ihr „Keinohrhasen“-Buch reinschreiben würde. Neulich hat mich einer im Gym entgeistert angeguckt und gefragt, was ich denn hier mache. Was soll ich denn da machen? Trainieren natürlich.

Amerikanische TV-Serien sind häufig interessanter als die aktuellen Kinofilme. Ist das TV für Sie uninteressant?

Schweiger: Ich spiele schon seit Jahren mit dem Gedanken, in Deutschland eine Serie zu machen. Ich habe eine Idee, die ich schon bei verschiedenen Anstalten lanciert habe. Ich könnte es sofort machen. Aber wenn man so eine Serie macht, bleibt für Kinosachen keine Zeit mehr. Ich sage mir immer, wenn ich sechzig bin, kann ich immer noch eine Serie schreiben oder „Tatort“-Kommissar werden.

Von André Wesche

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