Film-Mythos auf Bühne: Musical „Sissi - Liebe, Macht & Leidenschaft“

Auftritt in prächtigen Kostümen: (vorn von links) Johan Bech als Kaiser Franz Joseph und Karolina Pasierbska als Sissi beim Tanz, kritisch beäugt von Adelheid Brandstetter als Erzherzogin Sophie. Foto:  Malmus

Kassel. „Sissi“ – ach wie romantisch, ach wie schön, aber auch so traurig“, seufzten in den 1950er-Jahren Millionen Kinobesucher mit Blick auf die Film-Trilogie und das Traumpaar Karlheinz Böhm als Kaiser Franz Joseph und Romy Schneider als Sissi. Beide avancierten durch ihre Rolle zu großen Stars.

Eine Perspektive, die für die beiden Hauptdarsteller des Musicals „Sissi - Liebe, Macht & Leidenschaft“, zu dem am Mittwoch 400 Besucher in die Stadthalle kamen, wohl kaum gelten dürfte. Dabei war die gebürtige Polin Karolina Pasierbska – zunächst als junge, unbekümmerte Elisabeth von Bayern, dann als von der Etikette unterdrückte, unglückliche Kaiserin von Österreich – eine Sissi-Darstellerin, zu der man dieser Produktion gratulieren kann: Liebreiz, Charme, Stimme und Aussehen stimmten.

Doch dieses Licht konnte sich unter dem Scheffel einer nur bedingt ansprechenden Inszenierung wenig ausbreiten. Zwar punktete die Produktion mit prächtigen Ballkleidern und Uniformen aus der Sissi-Epoche, und auch die Bühnenbilder, die sich auf die wechselnden Schauplätze ihres Lebens bezogen, sorgten trotz für Tournee-Produktionen pragmatisch notwendiger Simplifizierung für Atmosphäre.

Die Musik von George Amade jedoch, die Lieder, obwohl verquickt mit Anleihen aus der Operette und musikalischen Elementen aus Wiener Ballsälen, blieb blass und packte die Zuhörer nicht. Dynamik und Gänsehautmomente fehlten.

Gleiches gilt für die Schauspielkunst der meisten Darsteller, ausgenommen Claus Frankl als Major Krespl, Sissis Adjutant, der mit Witz und Stimme überzeugte, wie auch Adelheid Brandstetter, die als kalte, autoritäre Erzherzogin Sophie Präsenz zeigte. Zu emotionslos agierte aber der junge Schwede Johan Bech als Franz Joseph. Sissis tragisches Ende – 1898 wurde sie in Genf ermordet – sparte die Inszenierung aus. Die Krönungsfeier, bei der das Kaiserpaar zu König und Königin von Ungarn gekrönt wurde, beendet das Musical. Fazit: Eine Inszenierung, welcher der Zauber fehlte. Freundlicher Applaus.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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