Neu im Kino: James Camerons „Avatar“ vermittelt eine ökologische Botschaft

Ein Film, der überwältigt

Unangenehm: Jake Sully (Sam Worthington) muss auf Pandora mit allerlei Getier fertigwerden. Foto: nh

Wenn Jake Sally (Sam Worthington) in ein Bett aus gallertartiger Flüssigkeit steigt und den Deckel über sich schließt, macht er einen Schritt, den viele Video-Spieler im Kleinen täglich vollziehen: Sein Geist verlässt den Körper und begibt sich auf die Reise in eine fantastische Welt.

Der kriegsinvalide US-Marine muss den Rest seines Lebens im Rollstuhl sitzen. Da ist die Verlockung groß, in den Körper eines anderen zu schlüpfen. Er wird in James Camerons Film „Avatar - Aufbruch nach Pandora“ auf den Lichtjahre entfernten Planeten Pandora beordert, auf dem es ein seltenes Mineral gibt, das die Energieprobleme der Menschheit lösen und den Konzernen Milliardengewinne bescheren könnte.

Die Atmosphäre ist für den menschlichen Körper giftig, weshalb das wissenschaftliche Team um Dr. Grace Augustin (Sigourney Weaver) die menschliche DNA mit der der Ureinwohner gekreuzt hat. Der künstliche Körper kann sich ferngesteuert vom menschlichen Geist durch die Wildnis Pandoras bewegen.

Während die Wissenschaftlerin an der Erforschung der Natur interessiert ist, will der Kommandeur der Söldnerarmee Jake als Militär-Spion benutzen. In seiner 230 Millionen Dollar schweren Produktion „Avatar“ entwirft James Cameron („Titanic“/„Terminator“) mit beeindruckender Effekt-Palette und überbordendem visuellen Ideenreichtum eine fantastische Welt, wie man sie bisher im Kino noch nie gesehen hat.

Aber „Avatar“ erzählt auch eine alte Geschichte. Mit den hereinbrechenden Kolonialisten, die mit militärischer Überlegenheit und ökonomischer Profitgier die Eingeborenen zu unterwerfen versuchen, spiegelt der Film äußerst kritisch die Gründungsgeschichte der USA. Die Rücksichtslosigkeit der im Goldrausch befindlichen Siedler droht auch hier eine gewachsene Kultur sowie die Lebensgrundlagen des Planeten zu zerstören. Cameron formuliert zwischen Krawall und Effektegewitter seine ökologische Botschaft. Der Film ist durchdrungen von starken visuellen Metaphern, die den Einklang beschwören, in dem die Ureinwohner mit der Natur ihres Planeten leben.

Mit „Avatar“ ist Cameron eine mehrfache Gratwanderung gelungen, die modernste Hightech-Standards mit Naturfaszinationen, futuristische Welten mit historischer Reflektion, Videospielelemente mit cineastischem Vergnügen und rasendes Entertainment mit ökologischer Nachdenklichkeit verbindet. Überwältigt verlässt man nach 161 dreidimensionalen Kinominuten wie ein Seemann schwankend den Saal.

Genre: Abenteuer

Altersfreigabe: ab zwölf

Wertung: !!!!!

www.hna.de/kino

Begleitbuch: Lisa Fitzpatrick (u. a.): Avatar. Knesebeck, 108 Seiten, 19,95 Euro.

Von Martin Schwickert

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