Uraufführung während Festakt zum Stadtjubiläum

Fest für Augen und Ohren: Film „Virtuos Virtuell“

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Wenn Tuschezeichnungen lebendig werden: Zwei Szenenbilde aus dem Film „Virtuos Virtuell“ zu einer Orchestermusik von Louis Spohr.

Kassel. „Virtuos Virtuell“ heißt der Film des Kasseler Oscar-Preisträgers Thomas Stellmach und der Kasseler Künstlerin Maja Oschmann, mit dem sie auf dem Feld der Verbindung von Filmbildern und Musik neue Wege beschreiten.

Es beginnt mit einem Tusche-Klecks. Aus diesem wachsen Linien, verbiegen sich, andere Linien kommen dazu, ein dicker dunkler Balken schiebt sich von oben ins Bild. Was es mit dieser abstrakten, in Bewegung geratenen Zeichnung auf sich hat, ist völlig klar, wenn man die Musik dazu hört: die Orchesterouvertüre zur Oper „Der Alchymist“ von Louis Spohr (1784-1859).

Bei der Uraufführung des Films am Montag während des Festaktes zur 1100-Jahr-Feier Kassels wurde die Musik vom Kasseler Staatsorchester unter der Leitung von Helmut Imig live gespielt. Die Ovationen, die die Filmemacher dabei ernteten, galten einem Experimentalfilm von siebeneinhalb Minuten Dauer - inklusive Abspann, für den Imig eine Spohr ins Moderne wendende Musik komponiert hat.

Meisterlich ist dieser Film, weil er zum einen die musikalische Erfahrung ins Bildhafte erweitert: Dichte, Bewegung, Intensität und Dynamik der Musik Spohrs werden sekundengenau aufgenommen. Doch die bewegten Tuschezeichnungen verdoppeln nicht einfach die Musik, sondern etablieren eine eigene, korrespondierende ästhetische Ebene.

Ein filmästhetisches Ereignis

Wenn die Tusche-Girlanden zur lebhafter werdenden Musik in lustigen Sprüngen und Schleifen losspurten, wenn sich die flächige Bild-Komposition mit der musikalischen Expansion ins Dreidimensionale erweitert, wenn sich schließlich organische Welten auftun, die an Farne erinnern, dann streift der Film das Gegenständliche und erzählt eine eigene Geschichte.

Die Macher: Maja Oschmann und Thomas Stellmach.

Und wenn mit den fallenden Harmonien gegen Ende der Ouvertüre auch die Linien bis zum offenen Schluss wie von Schwerkraft gezogen nach unten weisen, ist das eine synästhetische Erfahrung der besonderen Art.

In dreijähriger Arbeit haben die beiden Macher den Film „Virtuos Virtuell“ mit Tausenden Zeichnungen entlang einer Musikaufnahme mit dem Dirigenten Christian Fröhlich entwickelt.

In einer 3D-Version wird er am 20. April im Kasseler Gloria-Kino gezeigt werden und dann zu einem Schmuckstück der Dauerausstellung im Kasseler Spohrmuseum werden.

Denn „Virtuos Virtuell“ ist nicht nur ein filmästhetisches Ereignis. Der Film wirft auch ein helles Licht auf den immer noch unterschätzten Komponisten Louis Spohr.

„Virtuos Virtuell“ ist als DVD (27 Euro) zu beziehen über www.virtuosvirtuell.com

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