Ein Filmfest wie Angelina Jolie: Zum Auftakt der Berlinale

Festival-Glamour im Herzen der Stadt: Der rote Teppich vor dem Berlinale-Palast am Potsdamer Platz. Foto:  dapd

Berlin. Die Berlinale ist in ihren besten Momenten wie Angelina Jolie. Hollywoods kreative Schöne zeigt in Berlin ihr Regiedebüt „In The Land Of Blood And Honey“ und weckt damit Aufmerksamkeit für den Balkankonflikt.

Sie erzählt die Geschichte eines bosnisch-serbischen Liebespaars im Krieg 1992. Eine Geschichte, für sie sich ohne die prominente Regisseurin womöglich deutlich weniger Menschen interessieren würden.

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Genau so halten es die Internationalen Filmfestspiele. Der nach Kräften gepflegte Glamour schafft Beachtung für ihre gesellschaftlichen Anliegen, für das Aufbegehren gegen die Unterdrückung von Filmschaffenden in totalitären Regimen sowie für die Filmkunst und ihren Nachwuchs.

Am Donnerstag wurde der rote Teppich vor dem Berlinale-Palast am Potsdamer Platz wieder in Dauerbenutzung genommen. Ab Freitag fächert sich das Festival in jene Breite auf, die es weltweit einzigartig macht. Wer wiederentdeckte kambodschanische Filme der 60er-Jahre sehen will, wird ebenso fündig wie bei internationalem Starkino. Stets ist das größte Publikumsfestival ausverkauft, die Kritik von Regisseurin Doris Dörrie, das Festival würde sich von den Zuschauern weg entwickeln, geht somit an der Sache vorbei.

Mit fundamentaleren Vorwürfen müssen die Festspiele allerdings auch umgehen. Die unbestreitbare Stärke in der angebotenen Breite muss korrespondieren mit einer Stärke an der Spitze der Filmauswahl. So hagelte es im vergangenen Jahr Kritik wegen eines schwachen Wettbewerbs. Dieses Jahr betont man, dass alle 18 um die Bären konkurrierenden Beiträge Weltpremieren sind.

Ein Festival ist nur dann stark, wenn es die Filme auffindet und zeigt, auf die es gesellschaftlich und künstlerisch gerade ankommt. Das ist nicht leicht, denn um die weltweit relevanten neuen Filme reißen sich international immer mehr Festspiele (etwa in arabischen Ländern), die sämtlich Premieren zeigen wollen. Dieses Jahr zeigt die Berliner Qualitätskurve im Wettbewerb allerdings nach oben: Vor allem drei deutsche Schwergewichte machen neugierig: Die Regisseure Christian Petzold, Hans-Christian Schmid und Matthias Glasner zeigen ihre neuen Arbeiten.

Immer deutlicher erkennbar wird zudem eine Entwicklung, die die Festspiele seit der Ägide von Direktor Dieter Kosslick eingeschlagen haben. Im elften Jahr steht er an der Spitze der Berlinale. Er hat das Festival zu einem Rundum-Paket für den Film geschmiedet. Nachwuchsförderung und Produktionsunterstützung wurden so ausgebaut, dass die Berlinale heute im eigenen Programm teils die Regisseure oder Stars feiern kann, die sie über Jahre mit aufgebaut hat. Das ist nicht anrüchig, sondern zeigt, dass Filmkunst nicht im luftleeren Raum entstehen kann.

Hier trumpfen die Berliner Filmfestspiele auf: von der Reihe Kulinarisches Kino, die Esskunst in Zusammenhang mit Film und Nachhaltigkeit stellt, zu Workshops für den Filmnachwuchs mit Themen wie crossmediale Geschichten. Von einer Retrospektive zum deutsch-sowjetischen Filmschaffen der 30er-Jahre über brandaktuelle Filme zum arabischen Frühling bis zur Hommage an Meryl Streep. Berlin wird Zentrum der Filmwelt.

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