Filmjahr 2015: Kino - so groß wie lange nicht

Sie prägten das Kino 2015: Der Erotikfilm „50 Shades of Grey“ (im Uhrzeigersinn von oben links), „Spectre“, „Jurassic World“, „Star Wars“ und „Fack Ju Göhte 2“. In der Mitte: Die Trickfiguren aus dem Film „Minions“.

Das Kino feierte im Jahr 2015 das Erwachen der Macht. Und damit ist nicht nur der gleichnamige Über-Film gemeint, die neue Episode von „Star Wars“, die im Dezember das beherrschende Filmthema war. Sondern in einem umfassenderen Sinn die Rückkehr des Kinos als Unterhaltungsort in die Mitte der Gesellschaft. Als Gesprächsthema zwischen Milieus und Generationen.

Waren Filmtheater in den vergangenen Jahren durch neue Medien und Sehgepflogenheiten wie Streaming und TV-Serien ins Hintertreffen geraten, meldet sich die ehrwürdige Unterhaltungstradition 2015 mächtig zurück.

Die großen Drei 

Blockbuster-Kino, das ist eine einzigartige Filmmixtur aus generationenübergreifenden Filmerzählungen, die Action und Gefühl, viel Atmosphäre und starke Geschichten kombinieren. Vielleicht ist es wenig überraschend, dass es just die beiden Film-Enthusiasten sind, die dieses Kino um 1980 einst erfunden hatten, die heute wieder das Kinojahr prägen: Steven Spielberg und George Lucas.

Lucas’ Vermächtnis wird fortgeführt im neuen „Star Wars“-Film, Disney und Regisseur J. J. Abrams huldigen dem Original und bauen zugleich Brücken für eine junge neue Fangeneration. Allein am Eröffnungswochenende um den 4. Advent haben in Deutschland 2,15 Millionen Besucher das Abenteuer angeschaut.

Spielberg hat zwar mit Colin Trevorrow einen neuen Regisseur an den Start gebracht, ist aber der Mastermind hinter dem Dinosaurier-Spektakel „Jurassic World“ (4,1 Mio. Zuschauer), das an Spielbergs Computertechnik-Überwältigungsfilme „Jurassic Park“ ab 1993 anknüpft.

Der dritte Blockbuster des Jahres schreibt die langlebigste Filmserie überhaupt fort: „Spectre“ ist das 24. Abenteuer um James Bond. Der Film verknüpft den Spion erzählerisch enger denn je mit der 53-jährigen Tradition der Serie und erreichte 6,1 Mio. Besucher.

Chaoslehrer ganz oben 

Das deutsche Herbstmärchen geht weiter: Nach dem Überraschungserfolg für „Fack Ju Göhte“ 2013 hat es die Fortsetzung zum mit Abstand stärksten deutschen Film des Jahres gebracht: 7,6 Millionen sahen ab September das neue Schulabenteuer um Chaoslehrer Zeki Müller.

Marketingerfolg 

Was gigantisches Marketing leisten kann, sah man an „50 Shades of Grey“. Die Verfilmung des erotischen Bestsellers wurde mit einem kaum je erlebten Werbeaufwand in die Kinos gepresst. Es wurde alles getan, um den Vorverkauf auf Touren zu bringen, bevor die Kritiken erschienen und die Mund-Propaganda wirkte. Mit Erfolg: 4,4 Millionen Besucher betrachteten die mauen Auspeitsch-Erlebnisse, obwohl der Film als schwach bewertet wurde.

Fortsetzungen 

Ein weiteres Mal erzählten viele besucherstarken Filme Fortsetzungen. Das galt für 2015 in besonders origineller Weise - eroberten doch jene drageeförmigen Kreaturen, die beim Animationsfilm „Ich - Einfach unverbesserlich“ nur für witziges Getümmel am Rande sorgten, nun als Hauptdarsteller die Leinwand: 6,9 Mio. Besucher sahen die „Minions“. Erfolgreiche Film-Franchises waren ferner „Fast & Furious 7“ (4,2 Mio.) und „Die Tribute von Panem - Mockingjay 2“ (3,2 Mio.).

Ausblick 

2016 geht stark weiter mit „Snowden“, „Warcraft“, „Timm Thaler“, Tarantinos „Hateful Eight“ sowie Neuem von „Star Trek“, „Ice Age“, „Tarzan“ und „Batman vs Superman“.

Und dann war da noch: 

Größtes Staunen: Für Sebastian Schippers großartiges Projekt „Victoria“, der das Wagnis eingegangen ist, das rasante Clubnacht-Bankraub-Erwachsenwerden-Drama ohne einen Schnitt zu drehen. Die vibrierende Energie überträgt sich sofort.

Bitterster Wiedererkennungseffekt: Sönke Wortmanns Theaterverfilmung „Frau Müller muss weg“ seziert schonungslos die Geflechte auf Elternabenden - zwischen fiesem Ellbogeneinsatz zum vermeintlichen Kindswohl und peinlicher Nicht-Kenntnis über die Umtriebe des Nachwuchses.

Film-Denkmal des Jahres: Geht an Regisseur Oliver Hirschbiegel und Hauptdarsteller Christian Friedel, die in „Elser“ den wenig bekannten Hitler-Attentäter Georg Elser würdigen.

Konsequente Frauenperspektive: Wie Amy Schumer in ihrer großartig-respektlosen Komödie „Dating Queen“ ganz nebenbei zeigt, wie es aus Frauensicht wirklich zugeht bei One-Night-Stands. Todkomisch.

Taschentuchbedarf: Der Moment, wenn Julianne Moore als Alice im Alzheimerdrama „Still Alice“ an sich selbst ein Video schickt, mit der Anleitung, Schlaftabletten zu schlucken. Und wie sie später als demente Frau trotz der lieben Hinweise nicht einmal das selbstbestimmte Sterben mehr hinkriegt.

Pokal für Selbstironie: Geht an Arnold Schwarzenegger, der im neuen Terminator-Film „Genisys“ augenzwinkernd mit dem nostalgischen - man kann auch sagen: antiquierten - Image seines Roboters in Menschengestalt spielt. Souverän.

Liebenswerteste Trickfigur: Der Kummer aus dem Pixar-Meisterwerk „Alles steht kopf“. Erst von den anderen Emotionen belächelt, ist die traurige Gestalt mit Brille und Strickpulli am Ende maßgeblich am Schaltpult - denn ohne Kummer ist auch die Freude schal.

Witzigste Social-Media-Aktion: Als Tierpfleger eine Szene aus dem Dino-Spektakel „Jurassic World“ nachgestellt haben, wo Held Owen (Chris Pratt) ein Rudel Velociraptoren mit Handbewegungen in Schach hält. Social Media war voll mit Tiertrainern in gleicher Pose vor ratlosen Erdmännchen, Kühen, etc.

Superheld des Jahres: Ist Ex-Batman-Darsteller Michael Keaton, der in der fulminanten Theatersatire „Birdman“ einen Ex-Superheldendarsteller spielt, der am Theater ein Comeback versucht. Herrlich die Momente, wo die Bildgestaltung ins Surreale abdriftet.

Prickelndste Erotik: Nein, nicht „Fifty Shades of Grey“, sondern Daniel Craig als James Bond mit Monica Bellucci als sexy Witwe in „Spectre“. Heiß.

Magie: Eigentlich alle 136 Minuten „Star Wars: Das Erwachen der Macht“. Schon mit dem berühmten „Star Wars Crawl“, dem Eröffnungsschriftzug beamt man sich in die Erinnerung an das aufregende Gefühl von Kinobesuchen aus Kindertagen.

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