Filmkritik zu Trenkers "Der schmale Grat der Wahrheit": Eher ein Maulheld

Er mag ein hochdekorierter Regisseur und für viele ein Held gewesen sein. Luis Trenker war aber vor allen Dingen ein Maulheld. Diesen Eindruck bekommt man als Zuschauer des biografschen Films „Luis Trenker - Der schmale Grat der Wahrheit“ den die ARD am Mittwochabend gezeigt hat.

 Regisseur Wolfgang Murnberger und Autor Peter Probst verdeutlichen den Charakter des passionierten Bergsteigers bereits in einer der ersten Szenen. Trenker (Tobias Moretti) seilt sich dabei von einem Berg ab, umjubelt von einer Traube Menschen, zu der Schauspielerin Leni Riefenstahl zählt, überzeugend in Szene gesetzt von Brigitte Hobmeier.

Trenker erzählt der Gruppe, wie er mal einen Berg erklommen habe, barfuß, im Alter von 17 Jahren. Das sei eine Willensfrage gewesen, sagt er jovial. Schmacht. Bettszene mit Leni nach nur zehn Minuten Film. Kurze Zeit später folgt der Bruch mit Riefenstahl, die am Set des Films „Der heilige Berg“ mit Kameramann Hans Schneeberger (Felix Hellmann) anbandelt. Als er sie damit konfrontiert, entgegnet sie: „Ich gehöre nur mir selbst.“ Gut herausgearbeitet ist die immer wieder aufflammende Hassliebe der beiden künstlerischen Dickköpfe Riefenstahl und Trenker. An dieser kann weder seine Ehe mit Industriellentochter Hilda von Bleichert (Barbara Romaner) noch ein Gerichtsverfahren über die von Trenker gefälschte Biografie Eva Brauns etwas ändern, die er nach Hollywood bringen möchte.

Ein Fan namens Hitler 

Leider wird im Film nicht ausreichend deutlich, warum Riefenstahl (laut Braun-Tagebuch soll sie nackt vor Hitler getanzt haben) den Film zu verhindern sucht. In der Zwischenzeit hat Trenker mit dem Film „Der Rebell“ in Hitler einen Verehrer gefunden, wird aber zunehmend von den Nazis geächtet, weil er in seiner Heimat Südtirol jüdische Schauspieler beschäftigt.

Eine wichtige Rolle im Film spielt auch die von Hitler und Mussolini vereinbarte „Option“ der Südtiroler, die sich entscheiden mussten, ob sie Italiener oder Deutsche sein wollen. Trenker, stets Opportunist, zögert lange. Waren seine Filme doch in beiden Ländern erfolgreich.

Hitler spielt im Film nur eine nebensächliche Rolle. Als Minister für Propaganda taucht aber Joseph Goebbels immer wieder auf, dessen bösartigem Charakter Schauspieler Arndt Schwering-Sohnrey nicht gewachsen zu sein scheint. Goebbels fordert von Trenker, Farbe zu bekennen, der daraufhin Deutscher wird und der NSDAP beitritt, aber keine Aufträge mehr bekommt.

Einzig störend ist an dem sonst gut gemachten Film der zwar sehr authentische, aber ständig genuschelte österreichische Akzent Trenkers und die zum Teil großen zeitlichen Sprünge zwischen Venedig und dem Jetzt.

Hintergrund:

Luis Trenker, geboren am 4. Oktober 1892 in St. Ulrich in Gröden, Tirol, war Schauspieler, Filmemacher und Bergsteiger. Besonders bekannt geworden ist er für seine Filme über die Alpen.

Mit Hilda von Bleichert, Tochter des Industriellen Paul von Bleichert, bekam er vier Kinder: Florian, Ferdinand, Barbara und Josef.

Nach dem Krieg hatte Trenker noch die Sendung „Luis Trenker erzählt“ im Bayerischen Rundfunk, die von Geschichten aus seinem eigenen Leben handelte. Zum Ende seines Lebens widmete er sich noch verstärkt dem Tier- und Naturschutz und starb am 12. April 1990 im Alter von 97 Jahren in Bozen (Südtirol).

Bekannteste Spielfilme:

• „Der Berg des Schicksals

• „Der Berg ruft

• „Duell in den Bergen

• „Der Kaiser von Kalifornien

Romane und Sachbücher:

• „Helden der Berge“

• „Der verlorene Sohn“

• „Schicksal am Matterhorn“

• Autobiografie: „Alles gut gegangen“

Rubriklistenbild: © BR/Roxy Film/Christian Hartmann

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