Kino-Star Nora Tschirner ist jetzt auch Musikerin – Prag ist jedoch mehr als eine Band mit Schauspielerin

Filmreifer Pop nicht nur für Cineasten

Ungewöhnliches Musik-Trio: Tom Krimi (von links), Nora Tschirner und Erik Lautenschläger nennen sich Prag. Foto: dpa

Ohne Nora Tschirner, das wissen die beiden Musiker Erik Lautenschläger und Tom Krimi, würde sich niemand für sie interessieren. Mit ihrer neuen Band Prag geben sie nur als Trio Interviews, und dann stellen die Journalisten doch meist ausschließlich Fragen an Tschirner, die eigentlich Schauspielerin ist, demnächst im Weimarer „Tatort“ an der Seite von Christian Ulmen ermittelt und nun die beiden Indie-Musiker bekannt macht.

„Erik und ich“, schreibt Krimi im Presse-Info zum Debüt-Album „Premiere“, „denken eher in kleineren Dimensionen. Nora brachte einen gewissen ,Think Big’-Gedanken mit ins Studio.“ Und groß klingen dann auch die 14 Lieder zwischen Chanson und Filmmusik. Hier trifft Jacques Brel auf Ennio Morricone sowie Schrammelmusik auf cineastische Bilder. Prag verbinden „Intimität mit Größe“, heißt es im Presse-Info, das passenderweise als kleines Drehbuch daherkommt.

Benannt hat sich die Gruppe nach der tschechischen Hauptstadt, weil sie ihre Songs dort mit dem Prager Filmorchester veredelt hat. Die eigentliche Geschichte der Band beginnt jedoch schon vor 15 Jahren, als Tschirner und Lautenschläger gemeinsam in einem Berliner Schulchor sangen. Danach trennten sich ihre Wege. Er gründete unter anderem die Indiepop-Band Erik & Me, sie moderierte bei MTV, spielte in Kino-Hits wie „Soloalbum“, „FC Venus“ und „Keinohrhasen“ und wurde zur „humorvollen Frontfigur der Generation Bart“, wie der „Rolling Stone“ schrieb. Junge hippe Männer, die heute gern Bart tragen, verlieben sich in Frauen wie Tschirner.

Die traf irgendwann ihren Jugendfreund Lautenschläger in einer Bar wieder, wo sie die Idee zu Prag hatten. Die 31-Jährige spielt nun Gitarre sowie ein bisschen Triangel, Xylofon und Mundharmonika. Das Singen überlässt sie meist dem sieben Jahre älteren Lautenschläger, dessen Texte vor allem von der Liebe handeln. Das schönste Lied handelt von einer anderen Schauspielerin: „Wir alle waren so verliebt in Sophie Marceau. Sag nicht, es war nicht so.“ Die Französin („La Boum“) war Anfang der 80er eine noch größere Sehnsuchtsfigur als Tschirner heute.

Nicht nur der Song erinnert ein bisschen an Ruben Cossani, eine Band aus Hamburg, die vor ein paar Jahren für ihren ästhetisch anspruchsvollen Retro-Pop ebenfalls viel Kritikerlob erhielt. Weil sich trotzdem kaum ein Musikfan dafür interessierte, musste sich die Formation 2011 auflösen. Aber Ruben Cossani hatten ja auch keine Nora Tschirner.

Prag: Premiere (Tynska Records). Wertung: !!!!:

Von Matthias Lohr

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