Kunsthochschul-Studenten proben für Musical und erarbeiten Designkonzepte - Premiere nächsten Freitag im tic

Das Finanzamt wird zum Horrorladen

Proben auf dem Zahnarztstuhl: Phil Basener als panischer Patient, umringt von den Ronettes, Jennifer von Franken (von links), Rebecca Schild und Miriam Schröder. Im Hintergrund Julian Timm mit dem Gerüst für Pflanze Audrey II. Foto:  Schachtschneider

KAssel. Stundenlang in hohen Absätzen zu laufen, kann eine schlimmere Herausforderung sein als ein Gerüst aus Baumarkt-Rohren auf dem Kopf zu balancieren. Julian Timm trägt die riesige Metallkonstruktion mit einem Hüftgurt, der das Gewicht gut verteilt. Noch ist der Überzug nicht fertig, aber mit diesem Metall-Monstrum wird er zur menschenfressenden Pflanze Audrey II im Kult-Musical „Der kleine Horrorladen“.

Rebecca Schild, Jennifer von Franken und Miriam Schröder sind die Ronettes, ein Gesangs-Trio, das dafür elegante und peppige Souleinlagen liefert. Mit turmhohen Hacken staksen die drei jungen Musicaldarstellerinnen über das Linoleum. „Zur Übung haben wir jetzt Absatz-Zwang ausgegeben“, sagt Regisseur Philipp Rosendahl grinsend. Der 19-Jährige dirigiert ein großes Team an Darstellern und Hintergrund-Werkern. Zwei Wochen haben die Studenten Zeit, das Musical zu erarbeiten, sich um Bühnenbild, Kostüme, aber auch um Marketing und Werbekonzept zu kümmern.

Bluttrinkende Pflanze

Ab 6. August gastiert die Inszenierung für acht Vorstellungen im Musicaltheater tic. Svenja Schröder leitet die Produktion. Die 21-Jährige studiert Systemdesign und kennt das kultige Musical noch aus einer Schulaufführung. Der schüchterne Seymour verehrt darin die schöne Audrey. Als er sie nicht bekommen kann, benennt er eine merkwürdige Pflanze nach ihr, die er an seinen Arbeitsplatz, einen Blumenladen, stellt. Als sie zu welken beginnt, erkennt er ihr blutiges Geheimnis.

Dieser Horrorladen steht zur Probenzeit im ehemaligen Finanzamt an der Goethestraße. Im charmant-nostalgischen Büroambiente wird von früh bis spät hart gearbeitet. Bei jeder Lampe ist das Team unsicher, ob sie sich überhaupt einschalten lässt, Möbel gibt es nicht: Improvisieren ist Trumpf. Svenja Schröder gibt mit einem Keyboard die Einsätze für die Zahnarztszene, bei der Phil Basener auf dem altmodischen Operationsstuhl vor dem Bohrer bibbert und der barfuß probende Roman Nitz zum Rock ’n’ Roll seinen Zahnarzt augenrollend zwischen Genie und Wahnsinn oszillieren lässt.

Svenja Schröder und ihre Mitstudenten arbeiten mit dem Projekt auf einen Schein hin, eventuell lässt sich die Produktion später noch zu einer Examensarbeit ausbauen. Besonders stolz sind sie, dass sie für ihren 16 000-Euro-Etat eine Spende der Kasseler Firma Blutspendezentrum bekommen: „Das passt perfekt“, sagt Philipp Rosendahl.

Premiere am 6.8., 19.30 Uhr, weitere Termine: 7.8.: 15.30 und 19.30 Uhr, 8.8.: 19.30 Uhr, 13.8.: 19.30 Uhr, 14.8.: 15.30 und 19.30 Uhr, 15.8.: 15.30 Uhr. Karten: 0561/ 70 18 722.

Von Bettina Fraschke

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