Fischer angelt vier Echos: Musikpreis auch für Milky Chance

Neben der Schlagerkönigin Helene Fischer gewinnt auch das Kasseler Pop-Duo Milky Chance einen Echo. Trotzdem steht Deutschlands wichtigster Musikpreis weiterhin in der Kritik.

Berlin. Wenn das so weitergeht, kann die deutsche Musikindustrie den Echo in „Helene-Fischer-Festspiele“ umbenennen. Eben zu denen begrüßte Moderatorin Barbara Schöneberger am Donnerstag die Branche in Berlin. Die Schlagerkönigin gewann gleich vier Musikpreise. Wir fassen die umstrittene Gala zusammen.

DER STAR DES ABENDS

Man könnte sagen: Die einzige Überraschung in der Messehalle war, dass in der Kategorie HipHop der Rapper Kollegah siegte. Der scherzte in seiner Dankesrede: „Ich hätte eigentlich gedacht, den nimmt Helene Fischer auch noch mit.“ Die Sängerin siegte in den Kategorien „Album des Jahres“, „Hit des Jahres“, „Schlager“ und „Musik-DVD“. Mit zwölf Echos hat die 30-Jährige nun mehr Trophäen als die Toten Hosen und fast so viele wie die Kastelruther Spatzen (13). Das kann einen atemlos machen.

DIE GEWINNER AUS KASSEL

Mitunter sprachlos über ihren eigenen Erfolg sind Clemens Rehbein und Philipp Dausch. Das Kasseler Pop-Duo Milky Chance gewann die Auszeichnung in der Kategorie „Nationaler Act im Ausland“, die im Vorjahr gar nicht vergeben wurde, weil es so selten vorkommt, dass heimische Künstler dort richtig absahnen.

Die Nordhessen, die nicht in Berlin waren, da sie gerade durch Nordamerika touren, haben ihren Hit „Stolen Dance“ weltweit mehr als 2,5 Millionen Mal verkauft. Dazu kommen 125 Millionen Klicks bei Youtube sowie Gold, Platin und Mehrfach-Platin in mehr als zehn Ländern.

DIE SHOW

Begonnen hatte die Gala mit einer Schweigeminute für die Opfer der Flugzeugkatastrophe in den Alpen. Auf der Bühne brannten 150 Kerzen für die Toten. Auch an den im Dezember gestorbenen Udo Jürgens wurde gedacht. Die Griechin Nana Mouskouri wurde für ihr Lebenswerk ausgezeichnet, Panikrocker Udo Lindenberg für sein soziales Engagement. Höhepunkte blieben aus.

DIE KRITIK

Viele Fans konnte der Echo nicht gewinnen: Nur 3,4 Millionen Zuschauer schalteten ein – 800 000 weniger als im Vorjahr. Auch inhaltlich gab es Kritik. Der Kasseler Konzertveranstalter Lutz Engelhardt (Kulturzelt) kommentierte bei Facebook: „Wenn es noch eines Beweises bedurft hat, dass dieser Echo-Wahnsinn an Abgeschmacktheit nicht zu überbieten ist, dann hat es der heutige Abend gezeigt. Soviel deutsche Biederkeit hält doch keine Sau aus.“

Anders als bei den US-Grammys oder den Brit Awards werden beim Echo fast nur Künstler ausgezeichnet, die die meisten CDs verkauft haben. Für so etwas braucht man keine Gala, dafür gibt es die Charts. Andreas Borcholte („Spiegel Online“) fordert darum vor der 25. Auflage im kommenden Jahr: „Macht es lieber anders – oder lasst es endlich sein. (mal)

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