Ein Märchen als Kinderstück im tif: Fischer und Despotin

Gleichnis über Gier und Bescheidenheit: Eva-Maria Keller und Uwe Steinbruch als „Der Fischer und seine Frau“ in einer Inszenierung von Dieter Klinge. Foto: Klinger

Kassel. Kindgerecht und doch nie albern: Dieter Klinges Inszenierung von „Der Fischer und seine Frau“ am Kasseler Staatstheater bringt ein lebhaftes Gleichnis über Gier und Bescheidenheit auf die Bühne – und zeigt, wie groß Theater für kleine Zuschauer sein kann.

Ein Kunststück gelingt Aljoscha Langel in der Rolle des Erzählers und Moderators im tif: Das Rauschen des Meeres, das Geschrei der Möwen – durch seine Animation wird das Publikum Teil des Stücks. Wenn er zur Unterhaltung der Königin Ilsebill die Kinder als Löwen und Elefanten über die Bühne dirigiert, weiß man kaum, ob das Publikum oder Eva-Maria Keller und Uwe Steinbruch als Fischerpaar den meisten Spaß an der Vorstellung haben.

Keller und Steinbruch geben sich ihren Rollen auch abseits der komischen Elemente der Spielfreude hin. Herrlich, wenn der Fischer in seiner abgewetzten Trainingsjacke von der Küste durch die liebevoll mit Holz und Seil gestaltete Kulisse – Bühne und Kostüme: Silke Becker – nach Hause tappt, um seiner Armut mit zufriedenem Pragmatismus zu begegnen: „Na, die Hütte stinkt doch gar nicht so doll.“

Keller überzeugt derweil mit der geduldigen Transformation der nörgelnden Fischersfrau zur nach Palast und Thron gierenden Größenwahnsinnigen. Spätestens, wenn sie als neue Kaiserin in der Uniform eines sowjetischen Generals aus der Tür tritt, will man sich dem Flehen des von seiner Ilsebill entfremdeten Fischers anschließen. Sein Betteln, sich vom verzauberten Butt nicht auch zum Gott machen zu lassen, prallt an Kellers despotischer Autorität ab. Ihrem Befehlshagel „Aufstehen! Hinsetzen! Aufstehen!“ wagt auch keiner der erwachsenen Zuschauer, sich zu widersetzen.

Erst nachdem der Butt sie für ihre Maßlosigkeit bestraft, trauen sich die Kinder wieder an sie heran. Für einen tollen Schlusspunkt sorgt bei der Premiere am Freitag der Rat einer kleinen Zuschauerin an die zu einem Häufchen Elend kollabierte Ilsebill: „Du hast dir jetzt genug gewünscht. Schluss für heute.“

Weitere Vorführungen: Heute, 10 Uhr; 31.3., 10/12 Uhr; 1.4, 10 Uhr; Karten unter Telefon 0561 / 1094 - 222.

Von Simon Neutze

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