Viel Beifall für Kunst, Lesungen und eine Erstaufführung in der Alten Brüderkirche

Flecken auf dem Schönen

Kontraste: Musik und Bildende Kunst werden zusammengeführt in der Reihe „Achtmal Alte Brüderkirche“ - hier das Trio Usignolo (von links Constanze Betzl, Querflöte, Peter Ernst, Gitarre, Traudl Schmaderer, Gesang) und Florian Hüttner. Foto: Malmus

Kassel. Das darf man eine krasse Ton-Bild-Schere nennen: Da wurde die „flammende Rose“, die „Zierde der Erde“ besungen. Und im Hintergrund lauerten zerstörte Idyllen, Ratten, schwarze Flecken. Das emphatisch Schöne in Barock-arien des genialen Melodikers Georg Friedrich Händel stieß auf die Ästhetik des Hässlichen in Zeichnungen des Hamburger Künstlers Florian Hüttner.

Bis zum Zerreißen gespannte Gedankengänge taten sich auf beim dritten Termin der Reihe „Achtmal Alte Brüderkirche“. Das Jahresmotto „Landschaften“ spiegelte sich in weit ausgreifenden Assoziationen zu Natur, Liebe, Erotik und Zerstörung. Pfarrerin Dr. Insa Meyer las aus dem Hohelied Salomos, machte sich aber auch Gedanken über die Natur des Menschen: „Sind Menschen die Ratten der Erde?“

Doch jenseits des konzeptionellen Überbaus war es vor allem ein ausgezeichnetes Konzert, das 150 Gäste erlebten - und stark beklatschten. Das Kasseler Trio Usignolo mit Traudl Schmaderer (Sopran), Constanze Betzl (Flöte) und Peter Ernst (Gitarre) präsentierte Musik von der Barockzeit bis zur Gegenwart: geschmeidige Koloraturen bei Händel, heftige Affekte bei Monteverdi, ein dynamisches (und in der Kirchenakustik besonders gut klingendes) Flötensolo des japanischen Komponisten Toru Takemitsu und als tönende Summe die Erstaufführung von Reinhard Kargers „Nec sine te nec tecum“.

Kargers Ovid-Vertonung, vor drei Jahren bereits in Teilen aufgeführt, verdeutlicht die dunklen Flecken auf dem erotischen Begehren bohrend intensiv. Kreisende Tonfolgen, bis zum Überdruss wiederholt, stehen für das Selbstzerstörerische der Liebe: „So kann ich weder ohne dich noch mit dir leben.“ Ein eindringliches Stück des früher in Kassel, nun in Wien wirkenden Komponisten.

Von Georg Pepl

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