Komponist Alessandro Scarlatti wird 350

Fleiß und Güte

Unermüdlicher Komponist: Alessandro Scarlatti (1660 - 1725). Foto: Picture-Alliance

Mit dem 25 Jahre jüngeren Johann Sebastian Bach hat Alessandro Scarlatti (1660-1725) die ungeheure Produktivität in jeweils 65 Lebensjahren gemeinsam. Während Bachs Werkverzeichnis knapp 1100 Einträge aufweist, hat Scarlatti 117 Opern, 799 Kantaten, weit über 100 Messen und Oratorien, dazu Instrumentalmusik in großer Zahl geschrieben.

Auch im Privaten gibt es Ähnlichkeiten: Während Bach mit zwei Frauen 20 Kinder hatte, kommt Scarlatti auf neun Söhne (die Zahl der Töchter ist nicht bekannt). Beider Söhne wurden selbst bekannte Komponisten, wobei der Ruhm Domenico Scarlattis (1685-1757) heute den seines Vaters überstrahlt.

Vor 350 Jahren, am 2. Mai 1660, wurde Alessandro Scarlatti auf Sizilien geboren. Seine Ausbildung erhielt er in Rom, wo er auch seine erste Anstellung als kirchlicher Kapellmeister erhielt. Doch seine Leidenschaft gehörte der Oper, und schon sein mit 18 Jahren komponiertes erstes Werk „Gli equivoci nel sembiante“ wurde ein Erfolg.

Scarlattis Pech war die Wahl von Papst Innozenz XII. im Jahr 1692, der in Rom alle Theater- und Opernaufführungen verbot. Scarlatti wich nach Venedig und schließlich nach Neapel aus, wo er 1725 auch starb.

Vor allem Scarlattis letzte Oper „Griselda“, einige Kantaten, Oratorien und Concerti grossi werden noch häufig aufgeführt. Oft sind es einzelne Arien, die von Künstlern wie der Sopranistin Cecilia Bartoli, für ihre Alben ausgewählt werden. Scarlattis expressive und virtuose Musik ist wirkungsvoll. Auch als ein früher Vorbereiter der klassischen Sinfonie kann Scarlatti gelten: Er führte die Sinfonia mit der Satzfolge schnell-langsam-schnell ein.

Die Grabinschrift in Neapel attestiert Scarlatti Selbstbeherrschung, Freigiebigkeit und Güte.

CD-Tipp: Alessandro Scarlatti: Griselda. Akademie für Alte Musik, René Jacobs, 3 CDs, Hamonia Mundi.

Von Werner Fritsch

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