Kasseler beim zweiten Abend des Musikfests

Fließend leicht

Traudl Schmaderer Foto: Schachtschneider/nh

Kassel. Bravorufe nach einem Stück von Arnold Schönberg gibt es nicht alle Tage. Doch beim zweiten Abend des Musikfests hatten die 130 Gäste in der documenta-Halle viel für den großen Anti-Populisten übrig. Traudl Schmaderer (Sopran) und Vera Weht (Klavier) interpretierten Schönbergs „Das Buch der hängenden Gärten“ einfach bezwingend.

Schmaderer ließ die freitonalen, sprachnahen Gesangslinien von Schönbergs 1910 uraufgeführten George-Liedern fließend leicht erscheinen, übertrieb bei aller Abstufung des Ausdrucks nie das rhetorische Element. Weht, eine exzellente Liedpianistin, brachte die dunklen Akkorde atmosphärisch zum Klingen.

Dass der atonale Schönberg romantischer ist, als man denkt, und dass der Romantiker Robert Schumann auf die Moderne vorausweist, war eine Lehre jenes Abends, den der Konzertverein mit der Gesellschaft der Freunde der Musikakademie Kassel veranstaltete. Das glänzende Duo Schmaderer/Weht lotete in einer Liedauswahl Schumanns Innigkeit und Ironie aus. Mit dem Pianistenkollegen Michael Kravtchin nahm Weht für Schumanns „Bilder aus Osten“ ein. Als krönender Abschluss erklang sein Klaviertrio F-Dur op. 80, in dem es viele polyfone und rhythmische Finessen gibt.

Das Topos-Trio mit Pianist Michael Kravtchin, Geigerin Carola Richter und Cellist Wolfgang Nüßlein spielte das Werk nicht überperfekt, aber auf eine Weise, die mit Bravos und viel Beifall bedacht wurde. Als Zugabe folgte das Duett aus den Fantasiestücken op. 88.

Von Georg Pepl

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