Neu im Kino: Der Doku-Thriller „Die Bucht“ über Delfintötungen

Flipper im Todeskampf

Hier geht’s Mensch und Tier gut: Delfinaktivist Ric O’Barry mit einem seiner geliebten Meeressäuger. Foto:  ap

Abends stellte Ric O’Barry seinen Delfinen gern einen Fernseher an den Beckenrand, dann konnten sie die TV-Serie „Flipper“ anschauen, für die er sie trainiert hatte. O’Barry merkte, dass die Tiere genau wussten, wann sie selbst zu sehen waren: „Delfine haben ein Bewusstsein von sich selbst, wie Menschen“, erkannte Ric O’Barry - und da wusste er, dass er einen gravierenden Fehler gemacht hatte.

Mit der Liebe eines Millionenpublikums zu Flipper fing in den 60ern die Ausbeutung dieser kleinen Wale an. Delfinarien machten Millionenumsätze - doch die Tiere starben vor lauter Stress. O’Barry wandelte sich zum Delfinschützer. Weltweit ist er im Einsatz für die Meeressäuger, war unzählige Male im Gefängnis, wurde sogar von Umweltorganisationen hinausgeworfen, weil er ihnen zu radikal ist.

Die Oceanic Preservation Society mit Filmemacher Louie Psihoyos hat sich nun für den Film „Die Bucht“ O’Barrys Anliegen zu eigen gemacht. Entstanden ist ein engagierter Öko-Thriller, der so unter die Haut geht, wie es den Gutmenschen-Tierfilmen mit ihren Wohlfühlbildern oft nicht gelingt.

Jedes Jahr wird im japanischen Taiji ein unfassbares Verbrechen an Delfinen begangen: Boote treiben zehntausende Tiere in eine Bucht. Käufer für Delfinarien suchen sich die geeignetsten Tiere aus. Der Rest wird abgeschlachtet, bis sich die Bucht vor Blut rot färbt. 23 000 Tiere pro Jahr verenden, das Fleisch wird zum Essen verkauft. Ric O’Barry wollte Beweise für dieses auch in Japan weitgehend unbekannte Vorgehen sammeln.

Auf legalem Weg war an Informationen nicht zu kommen. Psyihoyos stellte deshalb für einen geheimen Dreh ein Expertenteam zusammen, das unter anderem Filmtechniker und Taucher vereinte. Akribisch kundschaftete es die Küstenfelsen aus, postierte versteckte Kameras und Unterwassermikrofone, die die Todesschreie der Tiere aufzeichneten. Wie das Filmteam für sein Anliegen Stacheldraht, Polizeischikanen und Gefängnisrisiko trotzte, ergibt eine thrillerartige Dokumentation mit beklemmenden Bildern, die in ihrer Dramaturgie an „Ocean’s Eleven“ erinnert.

Parallel werden Hintergründe über das Delfingeschäft vermittelt: Ein Showtier kostet 150 000 Dollar, kann aber pro Jahr eine Million an Umsatz einbringen, Delfinfleisch kommt als Wal etikettiert in japanische Supermärkte, obwohl es mit Quecksilber belastet ist, Japan kauft in der Internationalen Walfangkommission Stimmen, um die Fangbeschränkungen zu lockern.

Der Delfin ist ein Symbol für die moderne Ausbeutung der Ozeane: für unser Entertainment. Ein solcher spannender Film ist das genau geeignete Mittel, dagegen anzugehen. Aufrütteln ist Pflicht.

Genre: Öko-Thriller

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: !!!!:

Von Bettina Fraschke

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.