Beo Brockhausen im Kulturzentrum Schlachthof

Flirrende Fantasie

Ziemlich allein im Schlachthof: Beo Brockhausen. Foto: Schachtschneider

Kassel. Als musikalischer Kopf der charmant-frechen Göttinger Deutsch-Pop-Formation „Ganz schön feist“ sammelte er 15 Jahre lang zahlreiche Kleinkunstpreise. Einen weiteren hätte sich Beo Brockhausen für seinen Solo-Auftritt am Mittwochabend im Kulturzentrum Schlachthof verdient.

Nicht für sein Programm „Wiedergeburt“, aber für seinen souverän-sympathischen Umgang mit einer besonderen Situation: Zunächst waren gerade mal sieben Besucher gekommen. Brockhausen nahm es mit fröhlicher Gelassenheit, begrüßte Nachrücker mit Handschlag und teilte das „sehr überschaubare“ Publikum zur stimmungsvollen Untermalung für ein Wüstenpanorama in Gruppen: „Ihr sorgt für das Flirren der Sonne auf dem heißen Sand, ihr seid die Springmäuse, ihr die Nattern und du der Kameldungsucher.“ So gut diese Aktion ankam, bisweilen hatte man etwas Mühe, den Fantasien des Multiinstrumentalisten zu folgen.

Das lag vornehmlich an den Texten: „Ein Wanderer begegnete einem Känguru mit Boxhandschuhen, das zu ihm sagte, du riechst nach Urin“ oder „Ich bin die Erbse in deiner Matratze“ - Witz und Berührung hielten sich etwas in Grenzen. Die Präsentation stimmte. Auf Zupf-, Blas- und Rhythmusinstrumenten aus aller Welt - Flöten, ein Charango, selbst ein Dudelsack Marke Eigenbau kamen ins Spiel - schuf der Vollblutmusikus exotisch-entspannende Klangwelten. Per Laptop formte er die einzelnen Einspielungen zu einer Einheit.

Viel Freude machte Brockhausens Begleitung am Schlagzeug: Per Laptop-Befehl sorgte „Karl Heinz“, eine niedlich urige Puppe mit Taschenlampenaugen, für den Takt. Fazit: Kein Programm für jedermann, Texte, Tempo und Musik harmonierten nicht immer optimal, den wenigen Besuchern aber gefiel es.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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