Einfach wie plätscherndes Wasser, aber so schwer zu spielen: Die Pianistin Nadja Rubanenko in Niestetal

Flirrende Virtuosität und Klangkaskaden

Niestetal. Mozart und Chopin, eine solche Ankündigung lockt Musikfreunde ins Konzert, und so mussten am Sonntagabend zusätzliche Stühle in den Gemeindesaal der Sandershäuser Kirche geholt werden, damit 90 Zuhörer beim Konzert der Pianistin Nadja Rubanenko einen Platz finden konnten.

Wenn Frédéric Chopins 24 Préludes angekündigt sind, geraten selbst zwei Sonaten des jungen Mozart zum Vorprogramm. Die russische Künstlerin, die an der Hochschule Mozarteum in Salzburg lehrt, spielte die Werke in Es-Dur KV 282 und in B-Dur 281 überraschend nüchtern und mit durchaus mäßigem Tempo. Das ergab eine gute Durchsicht, allerdings keine interpretatorisch bemerkenswerte Leistung. Offenbar wollte die Pianistin alle Kräfte für Chopins Präludienzirkel sparen, der mit seinen gut 40 Minuten Spieldauer allein nicht abendfüllend im Sinne heutiger Konzertkonvention ist.

Nun erlebte das Publikum eine wie ausgewechselt wirkende Solistin. Den so ganz individuellen Charakter jedes der 24 Préludes - eines in jeder Dur- und Molltonart des Quintenzirkels - wusste sie zu bergen. So folgte zum Beispiel dem in seiner harmonischen Rätselhaftigkeit dunkel ausgespielten zweiten Prélude ein brillanter Vortrag des G-Dur-Prélude, wo eine flirrende Virtuosität gefragt ist, die so einfach klingt wie plätscherndes Wasser und doch so schwer zu spielen ist.

Dies war ein erster Höhepunkt, ein weiterer dann das Nachtstück in Fis-Dur (Nr. 12), ehe das durch seinen Beinamen „Regentropfenprélude“ populärste Stück des Zyklus an die Reihe kam. Ausgezeichnet, wie Rubanenko die beiden Sphären des relativ langen Stücks herausarbeitete. Über die nicht ganz gelungene wilde Nummer 16 in b-Moll ging es dann Schritt für Schritt auf das abschließende f-Moll-Prélude mit seinen Klangkaskaden zu, das die Pianistin souverän und eindrucksvoll nahm.

Als Dank für den warmen Beifall kehrte sie dann zu Mozart zurück und spielte nichts Geringeres als das so tief empfindende a-Moll-Rondo KV 511.

Von Johannes Mundry

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