Die documenta-Künstlerin Louise Bourgeois würde morgen 100

Flucht vor dem Vater

Documenta11: „Cell“ war in der Binding-Brauerei zu sehen. Archivfoto: Rosenthal

„Mein Vater redete pausenlos, ich hatte nie Gelegenheit, etwas zu sagen“, hat Louise Bourgeois, die am ersten Weihnachtstag 100 Jahre alt würde, in einem Interview gesagt. Deshalb habe sie angefangen, aus Brot kleine Figuren zu formen, um sich abzulenken: „Meine ersten Skulpturen.“ Sie repräsentierten eine Flucht vor dem Vater: „Ich vergebe nicht und ich vergesse nicht. Das ist das Motto, das meine Arbeit nährt.“

Erst im hohen Alter wurde die in Paris geborene Bildhauerin, die in den 30er-Jahren nach New York ging und sich früh mit Installationen auseinandersetzte, weltweit bekannt. Dazu trugen wesentlich die documenta-Ausstellungen 1992 und 2002 und die Venedig-Biennale 2003 bei.

Ihrem surreal-symbolischen Werk wohnt etwas Düsteres, Bedrohliches, Bedrängendes inne. Populär sind jedoch ihre neun Meter hohen Spinnen-Bronzefiguren, die „Maman“. Bourgeois, die selbst einen Adoptivsohn und zwei eigene Söhne hatte, hat ihre Mutter, eine Weberin, sehr verehrt. So ist die riesenhafte Spinne auf dünnen Beinen für die Künstlerin nicht eklig, sondern Ausdruck des Behütetseins.

Bourgeois ist 98-jährig am 31. Mai 2010 gestorben. (vbs)

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