Folgen eines Stromausfalls: „The Power Play" des Flinntheaters

Sorgten für manchen Lacher im Publikum: Die Schauspieler Toks Körner (von links), Lisa Stepf und Andi Otto. Foto: Malmus

Kassel. Wenn Energie fließt, ist meistens alles in Ordnung. Das gilt für physikalische Abläufe genauso wie für emotionale und soziale Prozesse. Doch was passiert, wenn man Ökosysteme zerstört, Kriege führt und Wirtschaftskrisen provoziert?

Das Kasseler Flinntheater hat sich für sein neues Stück „The Power Play“, das im Dock 4 Premiere hatte, das Szenario eines einwöchigen Stromausfalls ausgesucht. In der Inszenierung von Regisseurin Sophia Stepf ist er Ausgangspunkt einer in mehrere Spielszenen aufgeteilten Reise durch globale Abhängigkeiten und Reaktionsketten.

Dem von Andi Otto gespielten Erfinder Nikola Tesla (1856-1943) verdankt man wesentliche elektrotechnische Erkenntnisse. Doch in seiner wissenschaftlichen Fixierung steht er auch für die Naivität, die von politischen Systemen oft missbraucht wurde. Egal was auf der Bühne passiert - Tesla fummelt an seinen Geräten herum und produziert Innovation.

Lisa Stepf spielt sich gleich durch mehrere Generationen. Als Enkelin reinigt sie chinesische Parabolspiegel in Afrika, und als verzweifelte Mutter lässt sie sich von einem eloquenten nigerianischen Prediger (brillant: Konradin Kunze) mit einem verbalen Gebräu aus Religion und Wohlstandsfantasien ruhigstellen.

Auch Toks Körner wechselt permanent die Ebenen. Mal präsentiert er als Autor für das nigerianische Filmzentrum Nollywood kitschigen Märchenkram, mal hetzt er durch eine stromlose Stadt, um seiner Mutter eine Autobatterie für ihre Herzoperation zu besorgen.

Geschickt arbeitet das Ensemble mit Zeitsprüngen, Symbolen und Wechselmonologen. Licht und Sounds suggerieren Laboratmosphäre, und Video-Loops sorgen für eine weitere, eine reale Dimension. Apokalyptische Schwerelosigkeit schwebte über dem Stück und entlockte dem Publikum manchen Lacher.

Die Recherche im nigerianischen Lagos bewirkte offensichtlich bei Regisseurin Sophia Stepf die Idee einer leichtfüßigen, lebendigen Inszenierung. Betroffenheit und Dramatik ließ sie außen vor, ohne der Ernsthaftigkeit des Themas in den Rücken zu fallen. Für Spiritualität bot die Dramaturgie allerdings keinen Raum. Großer Applaus.

Weitere Vorstellungen: Donnerstag und Freitag, 19.30 Uhr, Samstag, 18.30 Uhr, Dock 4. Karten: 0561/787-2067.

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