Folk, Soul und Jazz: Das Kulturzelt im August

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Al Di Meola, eigentlich Al Laurence Dimeola, tritt am 17. August im Kulturzelt auf. Von ihm stammt der schöne Satz: "Ich bete, wenn ich Spiele, denn Musik ist eine Religion".

Kassel. "Ich bete, wenn ich spiele, denn Musik ist eine Religion." Dieser schöne Satz stammt von Al Di Meola. Der Mann, den viele Fans einen "Gitarrengott" nennen, tritt am 17. August im Kulturzelt auf. Doch auch die anderen Namen des star-gespickten August-Programms können sich sehen lassen.

Freitag, 1. August: Wallis Bird

Wenn man als Kind alle Finger der linken Hand verliert, sie bis auf einen wieder angenäht bekommt und trotz des traumatischen Erlebnisses nicht nur beschließt, Gitarre zu spielen sondern auch Musik zu studieren, dann muss man von seiner Bestimmung schon sehr überzeugt sein. Wallis Bird hat nicht nur ihr Schicksal gemeistert und ist ihren Weg gegangen. Sie wird heute zu Recht als eine virtuose Musikerin gefeiert, die ihren ganz eigenen Stil entwickelte, indem sie die Gitarre seitenverkehrt spielt, ohne die Saiten umzuspannen. Live überzeugt sie als humorvolles Energiebündel, das die Zuschauer mitreißt.

Ausverkaufsfaktor:

Irische Folklore ist in Deutschland immer angesagt, Wallis Bird hat sich in den letzten Jahren auch in Kassel mit Konzerten im Schlachthof und Kulturzelt ein wachsendes Stammpublikum erspielt und im April erscheint auch noch ein neues Album ("Architect"). Da kommt alles zusammen, um am Konzertabend ein "Ausverkauft" zu vermelden.

(Eintritt: 22 / 24 Euro) Zum Vorverkauf

Samstag, 2. August: Käptn Peng und die Tentakel von Delphi

Käptn Peng hat eine Zweitidentität als Schauspieler Robert Gwisdek ("Neue Vahr Sud", "Irren ist männlich", viele "Tatort"-Einsätze) und Buchautor ("Der unsichtbare Apfel"). Als Käptn Peng spielt er mit seinem Bruder Johannes (Künstlername: Shaban) und drei Freunden in einem HipHop-Funk-Trash-Ensemble, das seit vier Jahren die Bühnen der Republik entert. Im Kontrast zu den HipHop-Stars, die immer einen auf dicke Hose machen ("ich bin der Größte, hab' die schärfsten Frauen und geilsten Autos" usw.) nennen sie ihre Musik Schlanke-Hosen-HipHop.

Ausverkaufsfaktor: HipHop tat sich im Kulturzelt bisher immer schwer. Das lag zum einen daran, dass das Publikum vor der Verjüngung des Programms kaum angesprochen wurde, zum anderen auch an der frühen Anfangszeit. HipHop-Konzerte um 19.30 Uhr, das ist einfach Szene-untypisch. Es wird schwer... (Eintritt: 18 / 20 Euro) Zum Vorverkauf

Fotogalerie

Die Kulturzelt-Künstler 2014

Mittwoch, 6. August: Anna Calvi

Britische Popmusik, aber kein BritPop. Dazu ist die Musik von Anna Calvi (ihr Vater ist Italiener und Stones-Fan) zu dunkel, zu elegisch und schwül. Aber sie hat es damit ins Vorprogramm der Tourneen von Nick Cave und den Arctic Monkeys gebracht. Ihr Mentor ist Brian Eno, der sie für "das größte seit Patti Smith" hält.

Ausverkaufsfaktor: Es ist ja das Besondere am Kulturzelt, dass nicht jedes Konzert ausverkauft sein muss, weil die Veranstalter ja auch Talente in den Ring schicken, die man entdecken sollte. Und wenn dann im nächsten Jahr jeder, dem es gefallen hat, einen weiteren Gast mitbringt, ist das auch okay.  
(Eintritt: 24 / 26 Euro) Zum Vorverkauf

Donnerstag, 7. und Freitag, 8. August: Milky Chance & Freunde

Bitte beachten: Die beiden Konzerte beginnen um 18.30 Uhr!

Wenn Milky Chance (Clemens Rehbein und Philipp Dausch) zum Heimspiel an gleich zwei Abenden im Kulturzelt auftreten, haben die beiden Kasseler bereits Auftritte auf einigen der größten Open Airs im Lande hinter sich. Inwieweit die Shows mit u.a. Casper, Alligatoah, Kraftklub die Performance von Milky Chance verändert haben werden, dürfte für die Fans der ersten Stunde schon ein Erlebnis sein. 

Außerdem bringen sie noch Freunde und musikalische Wegbgleiter mit. Am 7. sind das Pupkulies & Rebecca (Lounge-Musik von den Kapverden) und Kafka Tamura, eine Indie-Band aus Southampton). Am 8. ergänzen Izzy Bizu (äthiopische Soul-Sängerin aus London) und James Hersey (laut Wikipedia "ein Elektropop-Singer/Songwriter aus Wien), der im Mai im Berliner Berghain auftritt. Klingt vielversprechend.

Ausverkaufsfaktor: Keine Frage. Vermutlich zwei der am schnellsten ausverkauften Konzerte der Saison. Wer zu spät kommt, sollte sich auf Schwarzmarktpreise einrichten. 
(Eintritt: 23 / 25 Euro) Zum Vorverkauf

Samstag, 9. August: Sea & Air / Alin Coen Band

Ein Doppelkonzert mit einem Ehepaar aus Stuttgart, dessen Musikrichtung man als Singersongwriterneofolkchanson bezeichnen möchte, ein wenig an die frühen Tage von Radiohead erinnernd, und der in Kassel auf Grund mehrerer guter Konzerte in der Vergangenheit bestens in Erinnerung gebliebenen Hamburger Singer/Songwriterin Alin Coen mit ihrer Band. Ein Abend der eher leisen Töne. 

Ausverkaufsfaktor: Wer Musik und Poesie erleben möchte, ist hier genau richtig. Bestuhlt würde es wohl voll werden. Unbestuhlt... da geht noch was.
(Eintritt: 22 / 24 Euro)  Zum Vorverkauf

Sonntag, 10. August: Fink

Finian Paul Greenall, Künstlername "Fink", ist einer der prominentesten Vertreter der insbesondere in Großbritannien extrem angesagten Neo-Folk-Bewegung. Seine Wurzeln liegen aber keineswegs in der großen britischen Folk-Tradition (Fairport Convention, Sandy Denny) sondern in der Rave-, Elektro- und Trip-Hop-Szene. Seine Songs haben einen hohen Chill-Faktor oder, anders gesagt: Sie sind der perfekte Soundtrack für einen Sommerabend an der Drahtbrücke.

Ausverkaufsfaktor: Kaum. Vermutlich kommen so viele Menschen wie im vergangenen Jahr zum Konzert von "Lamb", deren Keyboarder Andy Barlow auch Finks Album "Distance and Time" produzierte.
(Eintritt: 24 / 26 Euro)  Zum Vorverkauf

Mittwoch, 13. August: Flogging Molly

Der Hardcore-Folk der irisch-amerikanischen Band erinnert eher an Motörhead als an die Dubliners. Der Vergleich ist auch gar nicht so weit hergeholt, schließlich spielte Frontmann Dave King zuvor mit Motörheads Fast Eddy Clarke in dessen Band Fastway. Irgendwann blieb der Ire in Los Angeles hängen und verdiente sich seinen Lebensunterhalt als Irish-Folk-Barde in einem Irish-Folk-Club namens Molly Malone's. Den Rest kann sich jeder denken...

Ausverkaufsfaktor: Es wird voll und laut und fröhlich aber nicht total voll.
(Eintritt: 22 / 24 Euro)  Zum Vorverkauf

Donnerstag, 14. August: Gregory Porter

Gregory Porter ist der nächste Weltstar der schwarzen Musik. Seit dem allzu früh verstorbenen Marvin Gaye hat kein anderer Künstler derart stilsicher zwischen Soul und Jazz agiert. "Old spirit reborn" schrieben die Kritiker in ihren Lobeshymnen auf sein aktuelles Album "Liquid Spirit", für das er im Februar den Grammy erhielt. Die Songs darauf reichen tief in unser Gefühlsleben. Die Sonne geht in den Herzen auf, wenn sein "Hey Laura, it's me..." im Radio erklingt und das tut es zur Zeit sehr häufig.

Ausverkaufsfaktor: Gregory Porter könnte auch eine Woche allabendlich zwei Konzerte im Kulturzelt geben und die wären ausverkauft.
(Eintritt: 34 / 36 Euro)  Zum Vorverkauf

Freitag, 15. August: Judit Holofernes

Eine "Heldin" auf Solopfaden, doch für eine Solo-Tour werden am 15. August ganz schön viele Musiker auf der Bühne stehen: Schlagzeuger, Percussionistin, Bassist, Gitarrist, Keyboarderin, Trompeter - und ab und an wechseln die auch noch ihre Instrumente. Judith Holofernes, Sängerin und Gitarristin der zur Zeit pausierenden Wir Sind Helden, lässt auf ihrem Solotrip tief in ihr Herz blicken, auch wenn sie Fremdkompositionen singt und aus "I hope, you're happy now" von Elvis Costello "Ich will, dass Du weißt, dass ich will, dass Du glücklich bist". Live klingen ihre Songs, das haben die ersten Konzerte im Frühjahr gezeigt, viel härter und rockiger als auf dem Album "Ein leichtes Schwert".

Ausverkaufsfaktor: Musik für Menschen, die früher die "Helden" gehört und bei den Texten davon geträumt haben, nie erwachsen zu werden. Davon gibt es sehr viele. Mit Sicherheit lange vor dem 15.August ausverkauft.
(Eintritt: 22 / 24 Euro)
  Zum Vorverkauf

Samstag, 16. August: Hildegard Lernt Fliegen

"The Fundamental Rhythm Of Unpolished Brains" heißt ihr aktuelles Album, erschienen bei dem renommierten Jazz-Label Enja. Dies ist die Abkürzung für European New Jazz und wenn eine Band dieses Prädikat verdient, dann ist es dieses schweizer Sextett, das mit unglaublicher Spielfreude und Musikalität den Jazz in neue Bahnen lenkt. Live wird die Musik von Hildegard Lernt Fliegen mit satten Bläser-Linien, freien Klängen und einem Sänger, der mit seinen Stimmbändern unglaubliche Töne produzieren kann, äußerst theatralisch dargeboten. Ein Erlebnis nicht nur für die Ohren, sondern auch fürs Auge - ein Gesamtkunstwerk. Wer etwas Neues entdecken will, hier ist er richtig.

Ausverkaufsfaktor: Das wird schwierig, wie immer bei Musik, die man in keine Schublade stecken kann.
(Eintritt: 20 / 22 Euro) Zum Vorverkauf

Sonntag, 17. August: Al Di Meola

Die Siebziger waren sein Jahrzehnt. Er galt als der schnellste Gitarrist der Welt, ein Ruf, den er auf Alben wie "Land of the midnight sun" (1976), "Elegant Gypsy" (77) und "Casino" (78) eindrucksvoll unter Beweis stellte. Und es waren diese Alben und die darauf entwickelte Fusion-Musik aus Rock-, Jazz-, Latin- und Weltmusik, die ihn für immer in die erste Liga des Jazz heben sollten. Dann folgte 1981 mit "Friday Night in San Francisco" eines der berühmtesten Live-Alben aller Zeiten, welches der "Herr der Finger" bis heute mehrer Millionen mal verkaufte. Unter dem Slogan "Beatles and More" kündigt Di Meola seine Sommerkonzerte an. Die Musik der Liverpooler auf Interpretationen auf der akustischen Gitarre zu reduzieren, war ihm schon lange ein großes Anliegen, denn damit hat auch für ihn mal alles angefangen.

Ausverkaufsfaktor: Was für eine Frage? Natürlich.
 (Eintritt: 32 / 34 Euro)Zum Vorverkauf

Mittwoch, 20. August: Chet Faker

Seine Deutschlandtour im vergangenen Jahr war ausverkauft, obwohl sein Debut-Album "Built on glass" erst fast ein Jahr später in diesem Frühjahr erschien. Keine Frage, Nicholas James Murphy alias Chet Faker hat mit seiner Cover-Version von "No Diggity" (Original von Blackstreet) 2011 nicht nur die Musikwelt via Internet erobert, sondern sich seither auch  ganz oben gehalten. Das geschieht äußerst selten. Bei den meisten dieser Online-Phänomene bleibt es bei den berühmten 15 Minuten Internet-Ruhm. Mit dazu beigetragen haben zwei EPs, "Thinking in Textures" und "Lockjaw" - Singer/Songwriter trifft auf  Soul und House. Die Gitarren- und Klavier-Parts steuert Murphy bei allen Produktionen selbst bei. Er ist halt nicht nur ein begnadeter Sänger. Mit Sicherheit das modernste Konzert der diesjährigen Kulturzelt-Saison

Ausverkaufsfaktor: Zu hip für das Kasseler Publikum. Freuen wir uns, wenn das Zelt zu 70/75 Prozent voll wird. Woanders (Coronet Theatre/London 50 Euro, Paradiso/Amsterdam 30 Euro) bekommt man ihn für das Geld nicht zu sehen. 
(Eintritt: 22 / 24 Euro)Zum Vorverkauf

Donnerstag, 21. August: Nneka

HipHop aus Nigeria. Die Sunday Times schrieb über Nneka, sie sei „Lauryn Hills legitime Nachfolgerin“. Inihrer Jugend wurde Nneka von den Kompositionen von Bob Marley und ihres Landsmanns Fela Kuti beeinflusst. Doch es waren Rapper wie Mos Def, Talib Kweli und Mobb Depp, deren Styles Nneka dazu brachten, selbst das Mikro in die Hand zu nehmen. Das Ergebnis: Eine sehr persönliche Mischung aus HipHop, Dub und viel Gefühl, die im documenta-Jahr 2012 Kulturzelt-Publikum und -Veranstalter so stark und angenehm überzeugten, dass Nneka einfach wieder eingeladen werden musste.

Ausverkaufsfaktor: Nicht ganz, aber fast.
(Eintritt: 24 / 26 Euro)Zum Vorverkauf

Freitag, 22. August: Junip

Junip werden oft "die Band von José Gonzales genannt, weil der mal den Song einer sehr bekannten Fernsehwerbung gesungen und zwei Soloalben veröffentlicht hat. Doch abgesehen von Gonzales' Stimme und seinem Talent, wunderbar einschmeichelnde Songs zu schreiben, sind Junip eine sehr eigenständige Band. Die Schweden haben viele Fans unter  Musikliebhabern, die mit den Songs von Simon & Garfunkel, Crosby, Stills & Nash, America und Co. musikalisch gereift sind und heute oft sagen, dass sie "mit der modernen Musik" nichts anfangen können. Mit Junip können sie etwas anfangen, denn ihre Musik hat zwar ihre Wurzeln in den 70er- und 80er-Jahren, ist aber sehr modern.

Ausverkaufsfaktor: Kaum, aber auch in einem zu 3/4 gefüllten Kulturzelt kann man sich einen kuscheligen Abend machen. (Eintritt: 26 / 28 Euro) Zum Vorverkauf

Samstag, 23. August: Mighty Oaks

Eine ziemlich unwahrscheinliche Truppe hat sich da in Berlin zusammengefunden: Ian Hooper aus dem wilden Nordwesten der USA, Claudio Donzelli von der romantischen Adriaküste und Craig Saunders aus Großbritannien.  Drei Typen aus drei Ländern. Alle haben sie ihre Heimat verlassen und sind ausgerechnet in ein Land gegangen, das zwar viel Pop konsumiert, aber musikalisch England oder den USA nichts vormacht. Außer in Berlin, konkret im elektroschwangeren Hipsterkiez Neukölln, wo der Mighty Oaks-Sound heranreifte, der im gut sortierten Fachhandel unter Indie Folk einsortiert wird. Direkt neben den Fleet Foxes und Devandra Banhart. Mit diesen Lichtgestalten des Genres, aber auch mit dem frühen Neil Young darf man sie ruhig vergleichen.
Ausverkaufsfaktor: Die Mighty Oaks sind als Support Act der befreundeten Kings of Leon schon vor zehntausend Zuschauern aufgetreten. fünf- bis sechshundert Zuschauer im Kulturzelt wären eine feine Sache.
(Eintritt: 20/22 Euro)  Zum Vorverkauf

Sonntag, 24. August: 17 Hippies

Das fast schon "klassische"  Schlusskonzert des Kulturzelt-Sommers. Die 17 Hippies haben im vergangenen Jahr ein wunderschönes Album, "Titus träumt", mit Kinderliedern aufgenommen. Vermutlich werden sie davon nicht allzu viele Songs spielen. Dann schon eher die Zappa- (Peaches en regalia) und Allman-Brothers- (In Memory of Elizabeth Reed) Coverversionen ihres aktuellen Albums "Biester". Doch wer fragt bei einem 17 Hippies-Konzert schon nach den einzelnen Songs. Hier zählt die Atmosphäre.
Aber im Kulturzelt mit den 17 Hippies (und anderen) mal ein Konzert für Kinder zu veranstalten, wäre doch auch mal eine schöne Idee.
Ausverkaufsfaktor: Was für eine Frage? Wie immer!
(Eintritt: 24 / 26 Euro) Zum Vorverkauf

von Wilhelm Ditzel

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