Die spanische Künstlerin Mar Vicente stellt in der Reihe „5 vor 12“ im Kasseler Kunstverein aus

Forschen mit Farbe und Licht

Ihre bislang größte Ausstellung: Mar Vicente im Kunstverein im Fridericianum. Fotos: Malmus

Kassel. Was für leuchtende, fröhliche Farben! Wer die Räume des Kasseler Kunstvereins im Museum Fridericianum betritt, sieht sich umgeben von bunten Stoffbahnen, Kuben und Wandtafeln. Alles wirkt frühlingshaft hell, optimistisch, strahlend.

Der spanischen Künstlerin Mar Vicente, der die zweite Ausstellung in der Reihe „5 vor 12“ gewidmet ist, geht es aber nicht darum, mit Farbgebung zuversichtliche Stimmung zu erzeugen. Sie will nicht die psychologischen Effekte der Farben erkunden, sondern sie hat - sehr konzentriert, sehr wirkungsvoll - etwas Elementareres, Komplexeres, Konzeptuelleres im Sinn: die Grenzen von Malerei zu erforschen.

Welche Möglichkeiten und Begrenzungen hat Malerei? Wie wirkt sie im Raum, wie ist ihre Materialität erfahrbar? Mar Vicente reduziert, um solche Fragen für sich zu beantworten, Malerei auf das Einfachste und schafft gleichzeitig neuen Reichtum. Sie beschränkt sich auf die Primärfarben Blau, Gelb, Rot und die erste Mischfarbe Grün, die sie - über die Grenzen der Leinwand hinausgehend - miteinander kombiniert, einander gegenüberstellt, neu zusammensetzt: mit riesigen Stoffbahnen (eine eigens fürs Fridericianum entstandene Rauminstallation), auf bemalten Wänden (der Aufgang zur Empore leuchtet gelb), Tafeln, die im rechten Winkel aus der Wand wachsen, Quadern und Klötzen, die aneinander gereiht und ineinander gesetzt sind.

Auch Weiß ist für die 31-Jährige wichtig: als Reflexionsfläche. Verblüffend, welche Licht- und Schatteneffekte sich bei ihren Farbexperimenten ergeben, wie die Farben abstrahlen, sich neue, dreidimensionale Bildräume ergeben. Deshalb ist für Vicente die Bewegung so bedeutsam, das Umhergehen des Betrachters im Raum, das immer neue Blickwinkel schafft - beinahe wie bei optischen Täuschungen. Dass sie im traditionsreichen documenta-Standort Fridericianum ausstellen kann, „das habe ich noch gar nicht wirklich realisiert“, sagt Vicente.

Seit fast drei Jahren lebt die im galizischen Lugo geborene Künstlerin, die in Vigo Bildende Kunst studiert und sich viel mit Künstlern wie Mark Rothko, Barnett Newman und Dan Flavin beschäftigt hat, in Wolfsberg (Österreich).

„Es gibt nur einen Grund, nach Kärnten zu ziehen: die Liebe“, sagt Martina Mosebach Ritter. Die Architektin und Galeristin ist 2001 aus Kassel nach Klagenfurt gezogen - und alte Kontakte zum Kasseler Architekten und Kunstvereins-Vorstandsmitglied Meinrad Ladleif haben die Schau - Vicentes erste deutsche Einzelausstellung - möglich gemacht.

Ihre Klagenfurter rittergallery ist überzeugt von Mar Vicentes aufmerksamem, geduldigem, ernsthaftem Experimentieren mit reinen Farben, reinen Formen und Licht. Man kann es verstehen.

Bis 29.5., Mi-So 11-18 Uhr, Eintritt 4/2 Euro, Mi frei. www.kasselerkunstverein.de, Tel. 0561/771169, Künstlergespräch zur Finissage am 29. 5., 17 Uhr.

Von Mark-Christian von Busse

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.